Kognitive Neurobiologie als Reflexionsproblem
Auf der Suche nach neuen Denkformen neurowissenschaftlicher Forschung
von Axel Ziemke (Klagenfurt, Bochum)
(erschienen in: Ziemke,A./R.Kaehr (Hg.), Realitäten und Rationalitäten, Selbstorganisation 6, Berlin: Duncker & Humblot 1995)
I. Einführung
"Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?" Keine Frage hat die philosophische Diskussion um die Kognitionswissenschaft so angeregt wie diese. Und das liegt nicht etwa an dem neu erwachten zoologischen Interesse der Philosophen. Thomas Nagel versuchte in seinem Aufsatz unter diesem Titel die Reformulierung des jahrundertealten Körper-Geist-Problems als Methodenproblem kognitionswissenschaftlicher Forschung: Wir wissen eine ganze Menge über die neuro- und verhaltensbiologischen Grundlagen der Echoortung von Fledermäusen. Können wir aber auf Grund dieses Wissens auch nur die mindeste Vorstellung darüber gewinnen, wie es "für" eine Fledermaus ist, ihre Welt auf diese Art und Weise wahrzunehmen? Anders als im Falle einer Fledermaus haben wir eine gewisse Vorstellung davon, "wie es ist, ein Mensch zu sein", unsere Welt wahrnehmend, denkend, fühlend zu erleben. Vor diesem Erfahrungshintergrund können wir durchaus die bisherigen und künftigen Ergebnisse neurowissenschaftlicher Forschung - um die soll es hier gehen - als "Korrelationen" unseres Erlebens interpretieren. Ohne diesen Erfahrungshintergrund würden wir aber diesen Ergebnissen am Menschen ebenso hilflos gegenüberstehen wie im Falle der Fledermaus. Kann man aber unter diesen Umständen von einer neurobiologischen Erklärung oder auch nur Beschreibung mentaler Zustände sprechen? Und diese Fragestellung läßt sich noch erweitern: Kann man von der Möglichkeit einer neurobiologischen Kognitionsforschung sprechen, wenn sich gerade die vom "Alltagsverstand" als essentiell für menschliche Kognition erachtete "Erlebnisdimension" dem Zugriff der Naturwissenschaft entzieht?
Anders als im Falle des philosophischen Schrifttums wird man nicht nur diesen Aufsatz, sondern auch die in ihm thematisierte Problematik schwerlich in einem neurowissenschaftlichen Fachartikel diskutiert finden. Seriöse neurowissenschaftliche Forschung hat sich in der Vergangenheit des Anspruchs weitestgehend enthalten, kognitive Leistungen oder gar "den Geist" naturwissenschaftlich erklären zu wollen. Stattdessen verfolgen die meisten Forscher auf der Suche nach einem biologischen Verständnis des Gehirns das Programm einer "funktionellen Neuroanatomie": Mit den fortgeschrittenen neuroanatomischen Techniken werden die Strukturen des Gehirns verschiedener Species auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Entwicklungsstadien möglichst detailliert beschrieben. Mit den Methoden der Neurophysiologie, besonders der Elektrophysiologie, wird versucht, den so nachgewiesenen Strukturen eine "Funktion" im Rahmen der Transformation neuronaler Aktivität auf den entsprechenden Ebenen zuzuschreiben. Diesem Ansatz, das Gehirn von seiner Struktur her verstehen zu wollen, kommen aber in letzter Zeit auch neuere Entwicklungen der Kognitionswissenschaft entgegen. Die Debatten der 70er Jahre haben nicht nur zu einer Relativierung der Computerprogrammanalogie kognitiver Leistungen in Form der Physical Symbol System Hypothesis zu Gunsten konnektionistischer Modelle geführt, sondern auch die Frage nach der Möglichkeit einer neurowissenschaftlichen Fundierung kognitionswissenschaftlicher Forschung aufgeworfen. Das Programm einer solchen "kognitiven Neurobiologie" wird sich aber einer Positionierung gegenüber der von Nagel und vielen anderen Philosophen thematisierten Problematik nicht enthalten können; denn nicht nur eine Theorie des Bewußtseins, sondern eine Kognitionstheorie überhaupt impliziert die Fragestellung, wie "für" ein kognitives System ein Objekt, eine Szene, ein Sachverhalt zum "Gegenstand" werden kann. Nicht jede kognitive Leistung muß von bewußtem Erleben begleitet sein. Wie aber Bewußtsein ("zunächst und zumeist") Bewußtsein eines Gegenstandes (im allgemeinen Sinne des Entgegen-Stehenden) ist, ist auch Kognition Kognition eines Gegenstandes. Die Probleme der Subjektivität und Intentionalität mentaler Zustände in einer Theorie des Bewußtseins sind bereits Probleme einer Kognitiven Neurobiologie.
Philosophische Ansätze, die eine neurowissenschaftliche Erklärung kognitiver Leistungen für einen oder gar den Ansatz einer angemessenen Kognitionsforschung halten, gehen im Umgang mit der angedeuteten "Spezifik des Mentalen" mindestens zwei verschiedene Wege: Entweder akzeptiert man diese Spezifik und versucht das Problem soweit zu trivialisieren, daß es im Rahmen neurowissenschaftlicher Forschung lösbar erscheint , oder aber, man versucht jene Spezifik zum Scheinproblem einer als Theorie verstandenen "Alltagspsychologie" zu erklären, die sich auf Grund der Ergebnisse künftiger, aber auch schon heutiger neurowissenschaftlicher Forschung schlichtweg als "falsch" erweist. Diese beiden Positionen werden in der wissenschaftstheoretischen Diskussion als "retentiver" bzw. "eliminativer Reduktionismus" bezeichnet. Beiden Ansätzen ist gemeinsam, daß sie die Methodologie einer kognitiven Neurobiologie als Fortsetzung der bisherigen naturwissenschaftlichen Erforschung des Gehirns verstehen. Wäre es aber nicht auch möglich, das Körper-Geist-Problem und besonders das aus diesem Problem abgeleitete "Kognitionsproblem" auf Grund seiner phänomenalen Evidenz in seiner ganzen Tiefe als Methodenproblem kognitionswissenschaftlicher Forschung zu akzeptieren, und im Sinne der in diesem Sammelband behandelten Thematik als eine Grenze unserer (historisch bestimmten) Rationalität zu verstehen, die in der bisherigen Methodologie neurowissenschaftlicher Forschung zum Ausdruck kommt? Läßt sich vielleicht auf Grund der hier diskutierten Entwürfe einer "neuen Rationalität" eine alternative Methodologie neurowissenschaftlicher Forschung entwickeln, die dieser Problematik angemessen wäre? Gerade Gotthard Günthers Transklassische Logik als ein Versuch der Operationalisierung von Denkformen der Hegelschen Dialektik könnte hier ein vielversprechender Ansatz sein. Bereits in der "Phänomenologie des Geistes" als dem Hegelschen Frühwerk begegnet uns die Grundstruktur des "Für-uns-sein des Für-es-seins", die eine Antwort auf Nagels Fragestellung zu versprechen scheint, wenn wir das "für uns" durch "für den Beobachter" (den Wissenschaftler, den Philosophen) und das "für es" durch "für das System" (das Bewußtsein, den Menschen, die Fledermaus) ersetzen. Günthers früher Ansatz, eine "neue Logik" aus Hegels Denkformen zu entwickeln, ist ganz in diesem Sinne der Versuch einer "Theorie des Du", in dem dieses "Du" als "objektives Subjekt" nicht auf ein "Es", ein Objekt reduziert wird, aber auch nicht aus der Identifikation mit dem "Ich" erschlossen werden soll. Wenn ein solcher Versuch zur Lösung eines fundamentalen Methodenproblems kognitionswissenschaftlicher Forschung vom Standpunkt eines Aprioirismus Kantscher Manier oder mit dem Nimbus des "absolut wissenden" Philosophen der Hegelschen Naturphilosophie unternommen wird, wäre er sicher zum Scheitern verurteilt. Wenn er hingegen von Methodenproblemen neurowissenschaftlicher Forschung selbst ausgeht (IV.), die Ansätze einer neuen Methodologie in den am Maß dieser Kritik fortgeschrittenen Ansätzen der Theorienentwicklung in den Neurowissenschaften selbst sucht (V.) und nicht zuletzt das gleiche Maß an formaler Stringenz erreicht wie die Modellierungsmethoden der theoretischen Neurobiologie, wäre ein Erfolg dieses Versuches vielleicht nicht von vorneherein auszuschließen.
In diesem Aufsatz sollen die ersten Schritte eines solchen Versuches am Beispiel der neurobiologischen Wahrnehmungsforschung versucht werden. Wir wollen diese Wahrnehmungsforschung als ein "Reflexionsproblem" verstehen, das entsteht, weil der Neurowissenschaftler in seiner Forschung auf ein System "reflektiert", das in seinen Wahrnehmungen selbst "reflexiv" ist; weil seine Forschung einen Gegenstand hat, "für" den in seinem Wahrnehmen selbst ein Gegenstand wird; weil neurowissenschaftliche Forschung (eine methodisch fundierte und sozial-kommunikativ vermittelte Form von) Kognition ist, die (Wahrnehmung als) Kognition kogniziert. Dieses Reflexionsproblem ist als der Versuch, "das Denken zu denken" das zentrale Problem der Klassischen Deutschen Philosophie, das in der Philosophie Hegels wohl seine reifste Lösung gefunden hat. Im II. und III. Abschnitt soll versucht werden, die (für Hegel "nur") formale Struktur dieser Lösung auf Grundlage der Transklassischen Logik Gotthard Günthers zu explizieren. Im IV. und V. Abschnitt wird der Versuch unternommen, diese Struktur als "Reflexionsinstanz" für eine Kritik des repräsentationistischen Forschungsprogrammes und die Entwicklung einer alternativen Perspektive kognitionswissenschaftlicher Forschung am Beispiel der neurobiologischen Wahrnehmungsforschung zu entwickeln, die nicht zuletzt das einleitend erwähnte Körper-Geist-Problem zu bewältigen in der Lage sein könnte.
II. Die Klassische Logik des Seins
In seiner Dissertation aus dem Jahre 1933 versuchte Günther in Hegels Logik eine "neue Theorie des Denkens" aufzudecken. Das alte Denken, von dem sich diese Theorie abhebt, ist die Aristotelische Logik. Ausgehend von Hegels Logik entwickelt Günther in Auseinandersetzung mit der modernen formalen Logik "Idee und Grundriß einer Nicht-aristotelischen Logik". Gekennzeichnet ist jenes Nicht-aristotelische Denken durch einen grundsätzlichen Wechsel der "Bewußtseinsthematik". Thema des Klassischen Denkens war das "Sein des Seienden", Thema des transklassischen Denkens ist das (klassische) Denken selbst oder die "Reflexion". Transklassisches Denken ist dementsprechend eine "Reflexion der Reflexion".
Nach Meinung der Philosophen des Deutschen Idealismus kann jenes Reflektieren auf die Reflexion nicht mehr formal sein, da mit der Dualität von Subjekt und Objekt auch jene von Form und Inhalt aufgehoben wird. Diese Auffassung ist nach Günthers Meinung keineswegs zwingend. Er stellt ihr die folgenden Thesen gegenüber:
"1) Die Reflexion auf die klassische Reflexionssituation impliziert eine neue, transklassische Logik, die keine einfache Iteration des traditionellen, identitätstheoretischen Denkens darstellt.
2) Die Reflexion auf die Reflexion ist in dem gleichen Sinne formal wie ihr "Objekt", die erste Reflexion.
3) Alle theoretischen Bewußtseins-(Reflexions-)prozesse sind grundsätzlich zweiwertig".
Die erste These schließt an Hegels "neue Theorie des Denkens" an. Die zweite These macht die Differenz zu Hegels Verständnis des Verhältnisses von Form und Inhalt aus. Die dritte These begründet, wie wir sehen werden, die Möglichkeit und Notwendigkeit dieser Differenz.
Die erste These begründet Günther, indem er darauf verweist, daß das Denken als Gegenstand des klassischen Denkens nur in dessen Thematik des "Seins des Seienden" eingeordnet werden kann und somit seine Reflexivität nicht gedacht werden kann. Dieses Denken wird, wenn es klassisch gedacht wird, in einer Weise "vergegenständlicht", in der nicht eingesehen werden kann, wie diesem Denken selbst ein Gegenstand zukommen könnte. Die in dieser Weise "verdinglichte" Form des Denkens ist der Gedanke als "Wiederholung" des zu denkenden Seienden. Ihre Beziehung läßt sich nicht anders als als "Abbildung" denken.
Deutlich wird dieses Abbildungsverhältnis von Gedanke und Gedachtem etwa in Wittgensteins Theorie des "logischen Bildes". Die klassische, zumindest bis auf die Aristotelische Syllogistik zurückgehende Tradition erlaubt uns, die (im weiteren Sinne) "formale" Beschreibung einer Tatsache nur über die Zuordnung der Werte "wahr" und "falsch" zu "Aussagen", "Urteilen" oder "Sätzen" über eine "Tatsache". Sätze sind Ausdrücke von "Gedanken" (3.1), Gedanken (3) und Sätze (4.01) aber besondere Formen des (logischen) "Bildes" einer Tatsache. Was Sätze, wie Bilder überhaupt mit der Tatsache gemein haben müssen, ist die "logische Form" der Abbildung (2.2). Durch jene Abbildung stellen sie, unabhängig davon, ob sie wahr oder falsch sind, ihren "Sinn" dar. "Einen Sinn haben" bedeutet, daß sie zeigen, was der Fall ist, wenn sie wahr sind (4.022). Das "logische Bild" ist, wie Wittgenstein geradezu beiläufig bemerkt, selbst eine "Tatsache" (2.141). Dieses Postulat ist allerdings von entscheidender Bedeutung für die erkenntnistheoretische Interpretation dieser Logik. Nur dadurch, daß auch das Bild eine Tatsache ist, können wir den "Vergleich" von Bild und Tatsache vornehmen, der entscheidet, ob das Bild wahr oder falsch ist (2.223).
An eben diesem Punkt setzt etwa die Kritik E.v.Glasersfelds an: Als ich in den dreißiger Jahren Mathematik studierte, dachte ich, wie viele Angehörige meiner Generation, in Wittgensteins Tractatus meine Bibel gefunden zu haben. Immer wieder habe ich dieses Buch gelesen, bis ich eines Tages beim Paragraphen 2.223 stockte, - und das ganze wunderschöne Ideengebäude auf einmal zusammenbrach. Was ich nämlich zum ersten Mal verstand, war: 'Um zu erkennen, ob das Bild wahr oder falsch ist, müssen wir es mit der Wirklichkeit vergleichen' [...] Wie aber in Himmels Namen konnte man denn diesen Vergleich durchführen? Es ist nicht möglich, das Verhältnis von Gedanke und Gedachtem als Verhältnis von Tatsachen zu verstehen. Dieses Vorgehen setzt voraus, sowohl das Denken als auch den Gegenstand des Denkens zum Gegenstand zu machen, indem sie in die Thematik des "Seins des Seienden" eingeordnet werden. Wir können auf diese Weise nicht erklären, wie die eine Tatsache zum Gegenstand "für" die andere, das Gedachte zum Gegenstand "für" das Denken wird. Wir müssen im Gegenteil voraussetzen, daß beide Gegenstand "für" uns werden, und setzen somit das zu Erklärende voraus, ohne diese Voraussetzung begründen zu können.
Daß sich hinter diesem Problem der Vergegenständlichung der Reflexion das Kognitionsproblem als Methodenproblem einer Kognitiven Neurobiologie ebenso wie das Körper-Geist-Problem der "Philosophy of Mind" verbirgt, sehen wir, wenn wir die metaphysische Terminologie des "Seins des Seienden" in eine analytischere Sprache zu übertragen versuchen. Die "Unmittelbarkeit", durch die dieses Sein (genauer: Dasein) gekennzeichnet ist, entspräche dann der "Anschaulichkeit", "Beobachtbarkeit" oder gar "Meßbarkeit" des Gegenstandes naturwissenschaftlicher Forschung. Als Gegenstand naturwissenschaftlicher Kognitionsforschung würde die "Reflexivität" des Forschungsgegenstandes, die das "Kognitive" wie auch das "Mentale" an ihm ausmacht, eben auf diese Prädikate reduziert werden und ließe als "unerklärlichen" Rest eben das "Sein" des Gegenstands "für" ein kognitives System wie auch die "Erlebnisdimension" aus einer "Perspektive erster Person" übrig, die sich dieser "unmittelbaren" Betrachtung des klassischen Denkens aus einer "Perspektive dritter Person" verschließt. Die Konsequenz eines Denkens, das sich auf diese klassischen Denkformen beschränkt, muß demzufolge, wie einleitend angedeutet, die "Elimination" des Subjektiven als "Reflexionsrest" des klassischen Denkens sein. Wittgenstein überläßt diesen Rest einer mystischen Weltschau: "Das Subjekt gehört nicht der Welt an, sondern es ist eine Grenze der Welt" (5.632). Hegel selbst läßt das Bewußtsein diese Entwicklungsstufe in seiner "Phänomenologie des Geistes" in Form der Schädellehre durchlaufen, die als eine erste Entfaltung der Vernunft durchaus ihre Berechtigung hat. Ihre Wahrheit umschreibt er mit einer These, die man heutzutage wohl "eliminativ-materialistisch" nennen würde: "Die Wirklichkeit und Dasein des Menschen ist sein Schädelknochen".
III. Die Transklassische Logik der Reflexion
Das "Neue" der Hegelschen Denkformen, das Günther in seiner ersten These dieser "Iteration" des traditionellen Denkens gegenüberstellt, besteht in ihrem Verständnis von "Negativität":
"Das Wahre und Falsche gehört zu den bestimmten Gedanken, die bewegungslos für eigene Wesen gelten, deren eines drüben, das andre hüben ohne Gemeinschaft mit dem anderen isoliert und fest steht. Dagegen muß behauptet werden, daß die Wahrheit nicht eine ausgeprägte Münze ist, die fertig gegeben und so eingestrichen werden kann. [...] Das Falsche [...] wäre das Andre, das Negative der Substanz, die als Inhalt des Wissens das Wahre ist. Aber die Substanz ist selbst wesentlich das Negative, teils als Unterscheidung des Inhalts, teils als einfaches Unterscheiden, d.h. als Selbst und Wissen überhaupt. Man kann wohl falsch wissen. Es wird etwas falsch gewußt, heißt, das Wissen ist in Ungleichheit mit seiner Substanz. Allein eben diese Ungleichheit ist das Unterscheiden überhaupt, das wesentliches Moment ist. Es wird aus dieser Unterscheidung wohl ihre Gleichheit, und diese gewordene Gleichheit ist die Wahrheit. Aber sie ist nicht so Wahrheit, als ob die Ungleichheit weggeworfen wäre, wie die Schlacke vom reinen Metall, auch nicht einmal so, wie das Werkzeug von dem fertigen Gefäße wegbleibt, sondern die Ungleichheit ist als das Negative, als das Selbst im Wahren als solchem noch unmittelbar selbst vorhanden".
Zunächst muß einschränkend bemerkt werden, daß das moderne logische Denken weit davon entfernt ist, "das Wahre" und "das Falsche" als "eigene Wesenheiten" zu denken. Heute ist es selbstverständlich, Wahrheit und Falschheit auf das Verhältnis von "logischem Bild" und "Tatsache" zu beziehen, in Hegel-Deutsch also auf das Verhältnis von "Wissen" und "Substanz". Ein logisches Bild/Wissen ist "falsch", wenn es "in Ungleicheit" mit der Tatsache/Substanz befindet, es ist wahr, wenn an die Stelle der Ungleichheit "Gleichheit" tritt. Fraglich ist jedoch, wie diese "gewordene Gleichheit" gedacht wird, ob sie also tatsächlich aus "dieser Unterscheidung" "geworden" ist, in welcher Form die "Ungleicheit" in der Wahrheit erhalten bleibt. Tatsächlich würde auch niemand die nach wie vor vorhandene "Ungleichheit" zwischen Gedanken und Gedachtem leugnen. Ein logisches Bild ist nicht die Tatsache. Die Zeichen und ihre Verknüpfung sind unterschieden von der Tatsache als Verbindung von Sachverhalten. Ihre Gleichheit bezieht sich "lediglich" auf die "logische Form" der Abbildung. Allerdings bestimmt diese Zuordnung völlig die Bedeutung des logischen Bildes und somit den Inhalt des Wissens. Die Natur der Zeichen ist für diesen Inhalt irrelevant. Im Inhalt des Wissens ist die "Ungleichheit mit der Substanz" eben nicht erhalten geblieben.
Nach Hegels Auffassung hingegen ist "das Falsche" als "Negatives" selbst der Substanz wesentlich, und zwar "teils als Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts, teils als ein einfaches Unterscheiden, d.h. als Selbst und Wissen überhaupt". Nun ist selbst der Gedanke, daß "das Falsche" essentiell zur "Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts" eines logischen Bildes ist, in den philosophischen Grundlagen der formalen Logik zumindest implizit mitgedacht: Nicht nur die Kontradiktion, sondern auch die Tautologie wird als "sinnlos" interpretiert, ist als Satz kein "logisches Bild", eben weil sie immer wahr ist, also nicht falsch sein kann. Allerdings spezifiziert das logische Bild nicht, was der Fall ist, wenn es falsch ist. Es drückt also nur die eine Seite der Unterscheidung aus. Es spezifiziert "das Wahre", nicht aber "das Falsche". Die Negativität des logischen Bildes bleibt unbestimmt. Mit dieser Negativität bleibt aber auch das "einfache Unterscheiden" "als Selbst und Wissen überhaupt" unbestimmt. Eben in dieser Bestimmung von Negativität geht Hegel über das klassische Denken vor und nach ihm hinaus: Der Gegenstand - in seiner allgemeinen Bedeutung des "dem Bewußtsein entgegenstehenden" - wird zum Inhalt des Bewußtseins, wird zum Gegenstand "für es", das Bewußtsein, indem es diesen Gegenstand "negiert" und somit die inhaltliche Unterschiedung dieses Gegenstandes von dem, was er nicht ist, vollzieht. Die Negation des Gegenstandes ist jener vom Bewußtsein vollzogene "Akt des Unterscheidens", der diese Unterscheidung und somit Bestimmung des Inhalts erzeugt. Wollen wir dieses "Selbst und Wissen" verstehen, wollen wir auf diese Reflexion reflektieren, so haben wir nicht nach den "logischen Bildern" des Gegenstandes zu suchen, sondern - wie man sagen könnte: ganz im Gegenteil - nach der Negation des Gegenstandes durch das Bewußtsein. Doch auch unser Bestimmen der Negativität dieses Bewußtseins wird eine Negation sein müssen. Dem "Für-uns-sein des Für-es-seins" würde somit eine Negation der Negation entsprechen, die nicht im klassisch-logischen Sinne in die Affirmation zurückkehrt.
Für Hegel ist jene Negativität die Form des Wissens. In der Bestimmung dieser Negativität wird die Form zum Inhalt. Die Differenz von Form und Inhalt wird somit "aufgehoben". Wie wir in Günthers zweiter These gesehen haben, geht er im Gegensatz zu Hegel davon aus, daß die Bestimmung von Negativität nicht mit der Auflösung der Unterscheidung von Inhalt und Form als Grundlage alles "theoretischen" Denkens verbunden sein muß. Zur Begründung der Möglichkeit der Aufrechterhaltung dieser Unterscheidung führt Günther in seinen späteren Arbeiten die Morphogrammatik ein. Die Operationen der Klassischen Logik erhalten ihre inhaltliche Bindung oder, wie Wittgenstein sagen würde, ihren "Sinn" durch die zugeordneten Wahrheitswerte. In der Morphogrammatik wird von dieser inhaltlichen Unterscheidung abstrahiert, indem die Wahrheitswerte in den Wahrheitsfunktionen durch "Leerstellen" oder "Kenogramme" ersetzt werden, die sozusagen das "Muster" der Wertsequenz in einer Wahrheitsfunktion darstellen. Diese Kenogramme sind gleichgültig gegen die einzelnen Wahrheitswerte, an deren Stelle sie treten. Innerhalb der Wertsequenz einer Wahrheitsfunktion (und nur dort!) stehen aber gleiche Kenogramme für gleiche Wahrheitswerte, verschiedene Kenogramme für verschiedene Wahrheitswerte. So stellen etwa {ooox} und {xxxo} und {$$$⌡} das gleiche Morphogramm, nämlich Morphogramm (1) dar. Belegt man jenes Morphogramm wieder mit Werten, ergibt sich also entweder die Wertfunktion [wwwf] oder [fffw]. Im Ergebnis erhält man also gemäß Tafel 1 aus den 16 Wahrheitsfunktionen der Klassischen Logik über zwei Variable 8 Morphogramme.
p q Op (p;q)
w w w w w w w w w w
w f w w f f w f w f
f w w f w f w w f f
f f f f f f w w w w
w w f f f f f f f f
w f f f w w f w f w
f w f w f w f f w w
f f w w w w f f f f
(1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) (8)
o o o o o o o o
o o x x o x o x
o x o x o o x x
x x x x o o o o
Tafel 1: Erzeugung der 8 klassischen Morphogramme aus den Wertetafeln
der klassischen Logik
Was hat diese Transformation nun bewirkt? Mit der Abstraktion von den logischen Werten sind eben die Unterschiede des Inhalts auf der Ebene der Wahrheitsfunktionen verschwunden. Was geblieben ist, sind nun die "reinen Akte des Unterscheidens" oder, in Hegels Worten, das "einfache Unterscheiden" als "Selbst und Wissen überhaupt". Wollen wir nun auf diese Reflexionssituation reflektieren, müssen wir auf dieser "prä-semiotischen Ebene" die "Akte des Unterscheidens" des "Für-uns-seins" von den "Akten des Unterscheidens" des "Für-es-seins" unterscheiden, um "Akte des Unterscheidens" hinsichtlich dieser "Akte des Unterscheidens" vollziehen zu können. Zunächst setzt dies mindestens zwei weitere kenogrammatische Differenzen voraus, die man etwa erhält, indem man die in Tafel 1 erzeugte Morphogrammatik "kombinatorisch ausschöpft". Es ergeben sich dann die in Tafel 2 aufgeführten 7 zusätzlichen Morphogramme.
(9) (10) (11) (12) (13) (14) (15)
o o o o o o o
+ o + x + x +
o + x + + + *
x x x x x o x
Tafel 2: Die 7 transklassischen Morphogramme einer "zweiwertigen" Logik
In den Morphogrammen (9) bis (14) finden sich nun drei Kenogramme und somit parallel zueinander drei Akte des Unterscheidens (in unserer Notation: {o/x}, {o/+} und {x/+}), in Morphogramm (15) sogar sechs ({o/+}, {o/*}, {o/x}, {+/*}, {+/x} und {*/x}). Inhaltlich lassen sich diese "reinen Formen" von drei parallelen "Akten des Unterscheidens" in einer dreiwertigen Logik ausgestalten, die wir beispielsweise erhalten, wenn wir jene Morphogramme (9) bis (14) wieder mit logischen Werten belegen. In einer solchen Logik können wir nun die inhaltlichen Unterscheidungen, die durch den einen "Akt des Unterscheidens" (des "beschriebenen Bewußtseins") erzeugt wurden, mit den inhaltlichen Unterscheidungen beschreiben, denen die beiden anderen ("unsere") "Akte des Unterscheidens" zugrundeliegen. Wir reflektieren also auf die klassische Reflexionssituation, indem wir gewissermaßen jede der beiden Seiten der Unterscheidung des Inhalts durch das beschriebene Bewußtsein gemäß der dritten These Günthers über eine zweiwertige Logik beschreiben und somit entsprechend der zweiten These die Differenz von Inhalt und Form aufrechterhalten.
Das Reflexionsproblem wird somit gelöst, indem dem beschriebenen "Bewußtsein" in Analogie zu den Beschreibungen dieses Bewußtseins durch "uns" eine wahr-/falsch-Unterscheidung zugeordnet wird. Es ergibt sich eine dreiwertige Logik als "System" von drei zweiwertigen Logiken. Wir unterscheiden im Rahmen dieses Systems ein logisches Subsystem der Werte 1 und 2 (L1/2), eines der Werte 2 und 3 (L2/3) und eines der Werte 1 und 3 (L1/3). In jedem dieser Subsysteme verstehen wir den zahlenmäßig kleineren Wert als positiven oder designierenden (wahren) Wert, den höheren als negativen oder nicht-designierenden (falschen) Wert. Der Wert "1" würde nun in den Logiken L1/2 und L1/3 "wahr" sein, der Wert "2" in L2/3 "wahr" und in L1/2 "falsch" sowie der Wert "3" sowohl in L2/3 als auch in L1/3 "falsch". In seinen späteren Arbeiten zu einer "Polykontexturalitätstheorie" nennt Günther eine solche zweiwertige Logik eine "Elementarkontextur", ein System dieser Logiken hingegen eine "Verbundkontextur". Die schematische Darstellung einer solchen Verbundkontextur zeigt die Tafel 3.
1 2 3
L1/2 w ---------> f
| |
| |
L2/3 | w ---------> f
| |
| |
L1/3 w ----------------------> f
Tafel 3: Schema einer dreiwertigen Verbundkontextur: "--->" = Ordnungsrelation, "----" = Umtausch- bzw. Koinzidenzrelation (Erläuterung im Text)
Um die Analogie der Elementarkontexturen zur klassischen Logik zu betonen, haben wir die Werte mit "w" und "f" notiert. Was sich aber in einem solchen System grundsätzlich gegenüber dem klassischen Formalismus ändert, ist die epistemologische Interpretation der logischen Werte. Da das Klassische Denken das Sein, den Gegenstand als das Andere des Bewußtseins, der Reflexion zum Gegenstand hat, muß der irreflexiv-positive Wert als "wahr" interpretiert werden, die Reflexion selbst aber, insofern sie jenes Sein nicht "abbildet", sondern lediglich etwas vortäuscht, was nicht der Fall ist, als "falsch". Insofern das transklassische Denken aber jene Reflexion selbst zum Gegenstand hat, macht die Kennzeichnung der "bloßen Reflexion" als "Falsches" keinen Sinn mehr. Ebenso kann das "Wahre" nur noch in Bezug auf jene erste Reflexion verstanden werden, "für" die es der Fall ist. Insofern letztlich die zweite Reflexion der ersten in ihrer Zweiwertigkeit analog ist, müssen wir aber auch sie in ihrer Reflexivität betrachten. Es ergibt sich folgende Interpretation der drei Wahrheitswerte als Minimalsystem einer Transklassischen Logik:
(1) positiv = irreflexiv
(2) negativ = einfach reflexiv
(3) transklassisch-negativ = doppelt reflexiv
Insgesamt ermöglicht es eine solche transklassische Logik also, das Denken zu denken, die Reflexion zu reflektieren. Sie zeigt, wie "für uns" als Philosophen oder Wissenschaftler das Sein des Gegenstandes "für es", das (beschriebene) Bewußtsein zugänglich wird. Sie bietet eine logische Organisation, in der jene Grundstruktur der Hegelschen "Phänomenologie des Geistes", das "Für-uns-sein des Für-es-seins" formalisiert werden kann. Die Kontextur L1/2 entspricht dem vom (beschriebenen) Bewußtsein selbst vollzogenen Akt des Unterscheidens und macht eben das "Für-es-sein" des Gegenstandes aus. Die Kontexturen L2/3 und L1/3 entsprechen von "uns" vollzogenen Akten. Die in Kontextur L1/3 erzeugten Unterscheidungen machen das "Für-uns-sein" des Gegenstands aus. Kontextur L2/3 hingegen unterscheidet das "wovon" der Unterscheidung durch das Bewußtsein. Die beiden letztgenannten Kontexturen beschreiben so das "Für-uns-sein" des "Für-es-seins".
Kehren wir nun zu Hegels Interpretation des "Wahren" und "Falschen" zurück: Die Beziehung des "Wahren" "für uns" in L1/3 und des "Wahren" "für es" in L1/2 ist jene der "Koinzidenz". Das bedeutet: Das Wissen, das wir erzeugen und seine Wahrheit behaupten, ist ein Wissen derselben "Substanz", desselben Gegenstands, von dem das Bewußtsein sein Wissen erzeugt und seine Wahrheit behauptet. Doch die "Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts" erfolgt gegen ein anderes "Falsches", aus einer anderen "Ungleicheit mit der Substanz" heraus. Das "Falsche" unserer Unterscheidung entspricht dem dritten, das "Falsche" der Unterscheidung des (beschriebenen) Bewußtseins dem zweiten Wert. Erst aus dieser Unterscheidung wird ihre Gleicheit mit der Substanz, also die Koinzidenz des Wahren. Die koinzidierenden Wahren "für uns" und "für es" sind also "nicht so Wahrheit, als ob die Ungleichheit weggeworfen wäre [...] sondern die Ungleicheit ist als das Negative, als das Selbst, im Wahren als solchem selbst noch unmittelbar vorhanden". "Für uns" ist das "Für-es-sein" also nur insofern als wir neben der Koinzidenz des Wahren "für uns" und "für es" auch das "Falsche" beschreiben, das jener Negativität als "Selbst und Wissen" des (beschriebenen) Bewußtseins zugrundeliegt. Eben dies wird in der die beiden Beschreibungen "vermittelnden" Kontextur L2/3 möglich. Die Beziehung des "Wahren" dieser Beschreibung zu jenem "Falschen" in Kontextur L1/2 ist nun allerdings inhaltlich gesehen nicht mehr jene "Koinzidenz", sondern der "Umtausch": Was im Unterscheiden des Bewußtseins das Falsche, Negative ist, muß für uns das Wahre, Positive werden.
Dieser "Umtausch" und die mit ihm verbundene "Verteilung" eines logischen Widerspruchs über drei widerspruchsfreie Kontexturen ist auch die Grundlage für eine Logik, in der sich das Körper-Geist-Problem ebenso wie das Kognitionsproblem einer Kognitiven Neurobiologie auflösen läßt. Jede der drei Kontexturen entspricht einer wahr-/falsch-Unterscheidung, in der inhaltlich nicht nur der beschriebene Gegenstand als die positive oder "wahre" Seite dieser Unterscheidung, sondern als Bestimmung dieses Gegenstandes auch die negative oder "falsche" Seite dieser Unterscheidung zum Tragen kommt. Die in L1/2 konzeptualisierte wahr-/falsch-Unterscheidung durch das beschriebene System drückt somit das "Sein" des Gegenstandes "für es", dieses System aus. Die in L1/3 und L2/3 konzeptualisierten wahr-/falsch-Unterscheidungen, die "wir" als Beobachter vollziehen, reflektieren auf diese Unterscheidung, lassen sie "für uns" werden. Die gesamte Verbundkontextur drückt somit eine ("physikalische") Beschreibung des Systems durch den Beobachter aus. Im Rahmen der Kontextur L1/2 macht also jener zweite Wert das "Negative" als "Standpunkt" oder "Perspektive" des kognitiven Systems oder auch "erlebenden Bewußtseins" aus, "für" das der mit dem ersten Wert designierte Gegenstand wird, "für" das es irgendwie ist, diesen Gegenstand wahrzunehmen, zu denken, oder zu fühlen. Im Rahmen der Kontextur L2/3 wird dieses "Negative" zwar bestimmt, tritt aber als das "Positive", "Anschauliche", "Beobachtbare", "Meßbare" "für uns", den "Beobachter", den "Wissenschaftler" auf. Zusammen mit Kontextur L1/3 wird über diese Kontextur eine "physikalische" Modellierung, eine Beschreibung des Systems aus einer "Perspektive dritter Person" möglich, die in Form der Kontextur L1/2 einen "logischen Raum" schafft, in dem die kognitiven Leistungen des Systems, aber auch das "Erleben" dieses Systems als "Perspektive erster Person" seine Berücksichtigung findet. Wir müssen das Mentale also weder eliminieren, wie es der eliminative Materialismus fordert, noch müssen wir uns dessen Existenz durch eine notwendig physikalisch unvollständige Beschreibung des Gehirns hinsichtlich seiner "Erlebnisdimension" erkaufen, wie es die verschiedenen Spielarten des Dualismus voraussetzen. Das "Körper-Geist-Problem" besteht also in der Konfrontation der "logischen Orte" des Du und des Ich, oder modern gesprochen, des Systems und des Beobachters und findet seine Auflösung in einer polykontexturalen Logik, die jene beiden Orte miteinander vermittelt.
IV. Das repräsentationistische Forschungsprogramm in den Neurowissenschaften als Klassisches Denken?
Der Kognitionswissenschaft kommt nicht zuletzt das Verdienst zu, eine neue Interessengemeinschaft von Philosophie und Wissenschaft geschaffen zu haben. Die an der Diskussion um die Kognitionswissenschaft beteiligten Philosophen verstehen sich allerdings - neben zumeist kritisch eingestellten "Phänomenologen" - in der Tradition der auf den logischen Empirismus zurückgehenden analytischen Philosophie. Die Systeme des Deutschen Idealismus sind für diese Philosophen geradezu das Paradebeispiel für die Fruchtlosigkeit eines metaphysisch-spekulativen Denkens. Dieser in vieler Hinsicht berechtigten Kritik sind aber auch die Denkformen dieser Philosophen zum Opfer gefallen, die in einer den Ansprüchen theoretischer und empirischer Forschung angemessen operationalisierten Form wichtige Beiträge für eine Lösung fundamentaler Methodenprobleme kognitionswissenschaftlicher Forschung leisten könnten. Dem Reflexionsproblem als Zentralthema der Philosophien Hegels, Schellings und Fichtes steht auch eine jede Kognitionswissenschaft gegenüber: Kognition ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und philosophischen Nachdenkens. Doch Kognition selbst ist Kognition eines Gegenstands. Kognition als Gegenstand der Forschung hat selbst einen Gegenstand. Kognitionswissenschaft ist wie ihr Gegenstand Kognition, ist Kognition von Kognition. "Kognition" bedeutet in diesem Sinne umgekehrt zunächst nichts anderes, als einen Gegenstand zu haben, der "für" ein reflexives "System" ist.
Die Reduktion von Kognition auf eine "Abbildbeziehung" von "Tatsachen", ihre Konzeptualisierung unter der Thematik des "Seins des Seienden" begegnet uns in Form des Konzeptes von "Kognition als Repräsentation" als einheitsstiftendem Ansatz des kognitionswissenschaftlichen Forschungsprogrammes: Kognitive Leistungen werden erforscht, indem theoretisch abgeleitet und experimentell begründet wird, wie der "Gegenstand" dieser Leistung (ein Reizparameter, ein "Muster" solcher Parameter, ein Objekt, eine Szene, ein Zusammenhang) in dem untersuchten System "repräsentiert" wird. Nicht selten wird mit diesem Forschungsprogramm explizit oder implizit ein repräsentationistischer Erklärungsansatz von Kognition verbunden: Eine kognitive Leistung gilt als erklärt, wenn die Repräsentation des "Gegenstands" dieser Leistung im System theoretisch verständlich gemacht und experimentell nachgewiesen werden kann. Theoretisch expliziert wird dieses Verständnis von Kognition als Repräsentation gemeinhin über ein informationstheoretisches Kategoriensystem. Das "Repräsentierte" wird zur "Bedeutung" der "Zeichen" bzw. "Symbole" eines systemimmanenten "Codes". Die in der Einleitung genannten neuartig orientierten Forschungsansätze seit den 70er Jahren unterscheiden sich von dem "klassischen" kognitivistischen Ansatz nicht hinsichtlich der Erforschung von "Kognition als Repräsentation", sondern dahingehend, auf welcher "Ebene" des Verständnisses jener Systeme die relevanten Repräsentationen, Codes oder Symbole zu finden sind und welche Organisation die Symbole oder Repräsentationen aufweisen.
Versuche zur Entwicklung einer Kognitiven Neurobiologie verfolgen den Ansatz, Kognition durch die Untersuchung von Repräsentationen auf neuronaler Ebene zu erforschen. Die empirische Grundlage hierfür bilden vor allem die Ergebnisse der elektrophysiologischen Forschung im Kontext neuroanatomischer Untersuchungen und neuropsychologischer Befunde. Seit der Entwicklung von Techniken zur Messung der Aktivität einzelner Nervenzellen am lebenden Versuchstier folgen diese Experimente dem Paradigma der Untersuchung von "Reizkorrelaten" in der neuronalen Aktivität. An einem zumeist anästhesierten und paralysierten Versuchstier werden durch systematische Variation eines zu untersuchenden Reizangebotes diejenigen (visuellen, auditorischen, somatosensorischen etc.) Reizparameter bestimmt, bei denen es zur Veränderung der Aktivität einer Nervenzelle kommt. Ziel dieser Untersuchung ist also, allgemein gesagt, die Herstellung einer signifikanten Korrelation zwischen bestimmten Reizparametern einerseits und der über die Zeit registrierten Entladungsrate der Zelle (Aktionspotentiale pro Zeiteinheit) andererseits. Das detaillierteste Wissen hat bislang die Erforschung des visuellen Systems erbracht. Barlow konnte bereits 1953 nachweisen, daß bereits Ganglienzellen der Froschretina spezifisch auf kleine schwarze Flecke reagieren, die über das rezeptive Feld jener Zellen bewegt wurden. Maturana et al. konnten zeigen, daß die Aktivität dieser Zellen weitgehend unabhängig von variierenden Beleuchtungsverhältnissen ist und somit eine Konstanzleistung darstellt. Hubel und Wiesel entdeckten im visuellen Cortex von Katzen und Affen Zellen, deren Aktivität mit einfachen visuellen Reizparametern wie der Orientierung oder Bewegungsrichtung von Lichtbalken korreliert war. Andere Arbeiten wiesen Korrelationen der Aktivität von Zellen mit verschiedenen Bewegungsparametern, der Disparität oder der Wellenlänge des Lichtreizes, ja sogar mit "Gesichtern" und "Händen" im rezeptiven Feld nach. Viele Hirnstrukturen zeigen hinsichtlich dieser Reizkorrelationen eine "topologische" Ordnung, d.h. die Aktivität benachbarter Zellen eines Hirnareals sind korreliert mit der Aktivität benachbarter Orte der entsprechenden sensorischen Oberflächen. Die Hoffnungen, auf der Grundlage solcher Einzelzellableitungen Hierarchien von Zellen nachzuweisen, deren Aktivität von Stufe zu Stufe mit immer komplexeren Merkmalen und letztlich ganzen Objekten korreliert ist, mußten bald aufgegeben werden. Stattdessen hat das Zusammenspiel anatomischer Methoden und physiologischer Experimente zu recht detaillierten, wenn auch keineswegs unumstrittenen Modellen einer parallel-sequentiellen Organisation des visuellen Systems geführt.
Bereits das Kardinalzellkonzept von Barlow verfolgte recht explizit den Anspruch einer Kognitiven Neurobiologie, indem auf Grund der hierarchischen Organisationsmodelle des Cortex eine Erklärung von Wahrnehmung durch die Konvergenz der neuronalen Aktivität auf objektselektive "Kardinalzellen" unterstellt wurde. Die mißlungene empirische Bestätigung dieses Konzeptes hat dazu geführt, daß neuere Konzepte einer Kognitiven Neurobiologie die reizkorrelierte Aktivität ganzer Neuronenpopulationen für die Erklärung von Wahrnehmung voraussetzen. Allerdings kann man durchaus auch jenen Konzepten, die sich einer "funktionellen Neuroanatomie" verpflichtet fühlen, auf Grund der Verwendung eines informationstheoretischen Kategoriensystems als Interpretationsrahmen einen "impliziten Repräsentationismus" unterstellen. Spricht der Neurobiologe nämlich über seine Ergebnisse, so wird aus den Reizkorrelaten ein "neuronaler Code", eine "Merkmalscodierung" oder eine "Populationscodierung" im Gehirn als einem "informationsverarbeitenden System". Die Reizkorrelate erfüllen also die Funktion, jene Reize zu "codieren" oder zu "repräsentieren". Es wird somit ein "semantischer Aspekt" von Information vorausgesetzt, der eben jene Bedeutung "für" das System erfaßt. Doch woher gewinnt der "neuronale Code" nun seine Semantik? Welche empirischen Ergebnisse oder zumindest welche theoretischen Annahmen rechtfertigen diese Sprechweise? Zunächst ist es ja nur der Experimentator, der Reize und neuronale Aktivität einander zuordnet und so letztere als "Code" für erstere bestimmt und den "Zeichen" dieses "Codes" eine "Bedeutung" zuschreibt.
Eine explizitere Bedeutung als in der experimentellen Neurobiologie gewinnt diese informationstheoretische Begrifflichkeit in den theoretischen Neurowissenschaften. Hier sind es in den letzten zehn Jahren gerade die "Computational Neurosciences", die in ihren Modellen den "constraints" experimenteller Forschung gerecht zu werden versuchen. Im Zentrum des Interesses dieser Ansätze steht wiederum, so Sejnowski et al. in einem Übersichtsartikel, das Problem der Informationsverarbeitung: "The ultimate aim of computational neuroscience is to explain how electrical and chemical signals are used in the brain to represent and process information". Die Spezifik des Erklärungsansatzes der Computational Neurosciences bezieht sich ebenfalls auf den semantischen Gehalt von Information: "Mechanical and causal explanations of chemical and electrical signals in the brain are different from computational explanations. The chief difference is that a computational explanation refers to the information content of physical signals and how they are used to accomplish a task". Gelöst werden solche Informationsverarbeitungsprobleme, indem jene Algorithmen herausgearbeitet (und implementiert) werden, die die anfangs nur "implizit" in den aufgenommenen Signalen "enthaltene" Information so explizieren, daß eine symbolische Zuordnung vorgenommen werden kann. Marr als einer der Väter jenes Forschungsprogramms definiert in eben dieser Weise seinen Repräsentationsbegriff: "A representation is a formal system for making explicit certain entities or types of information, together with a specification of how the system does this". An die Stelle der Merkmalshierarchien der Neurobiologen tritt nun eine Hierarchie von "Explikationsstufen" der Information mit einer zunehmend "objektiveren" symbolischen Entsprechung. In dem von Marr vorgeschlagenen Modell der visuellen Wahrnehmung werden dementsprechend etwa jene Transformationen entwickelt, die notwendig sind, um das "Bild auf der Retina" sukzessive in einen 2-dimensionalen und systemzentrierten "primal sketch", einen systemzentrierten 2 1/2-dimensionalen "sketch" und einer objektzentrierten, 3-dimensionalen "representation" zu verwandeln. Was in jedem dieser Schritte "expliziert" wird, ist die Information über die Intensitätsverteilung, die Geometrie der Intensitätsveränderungen, die Geometrie der Flächentiefen, Flächenorientierungen und Konturen sowie letztlich die räumliche Organisation der Form des Objektes. Doch auch in diesen Modellen wird (ausnahmslos) deutlich, daß die Semantik jener Informationsverarbeitung, d.h. die symbolische Referenz der auf den jeweiligen Verarbeitungsstufen "explizierten" Information immer schon vorausgesetzt ist. Auch hier wird also nicht ersichtlich, wie Information über jene Bedeutung hinaus, die sie "für" den Modellierer hat, Bedeutung "für" das System gewinnt.
Unschwer erkennt man in dem Problem des Bedeutungsaspektes neuronaler Aktivität die Problematik des logischen Bildes als Beziehung von Tatsachen wieder. Wie das Objekt, so ist auch die Repräsentation eine Tatsache "für" den Experimentator oder den Theoretiker. Er ist es, der die neuronale Aktivität als "Repräsentation" eines Objektes deklariert - da er diese Zuordnung ja selbst erzeugt hat. "Für" den Neurowissenschaftler, nicht "für" das Nervensystem, hat die neuronale Aktivität "Bedeutung", "expliziert" sie "Information" über die Wirklichkeit, ist sie ein "neuronaler Code" - da er dieser Aktivität Bedeutung, Information und eine Codierungsfunktion ja selbst zugeschrieben hat. Die Frage, wie die neuronale Aktivität "für" das Nervensystem zur "Repräsentation" wird, wie sie "für" das Nervensystem Bedeutung gewinnt, Information expliziert oder zum "neuronalen Code" wird, führt in die altbekannte "homunculus fallacy": Es müßte in irgendeinem "höheren Zentrum" des Gehirns eine "Instanz", ein "Subjekt" geben, das die Repräsentation "als solche" erkennt, d.h. in ihrer "symbolischen Entsprechung" zu einer Tatsache erfaßt, ihre "Bedeutung" oder "aboutness" versteht, sie als "Information über" etwas auffaßt. Oder es muß zumindest in Form eines "naiv-realistischen Mißverständnisses" die Beschreibung (nicht als solche, sondern) "als die Wirklichkeit selbst" (miß-)verstehen. Nachdem die Repräsentation des Objektes "im" System gezeigt wurde, gänge es darum, zu erklären, wie das "Subjekt" in einem "höheren Zentrum" des Gehirns erkennt, wahrnimmt, zur Kognition fähig ist. Ein repräsentationistisches Erklärungskonzept würde hier wieder Repräsentationen "zweiter Ordnung" postulieren müssen, die die Wirklichkeit und ihre Beschreibung "erster Ordnung", aber zumindest (im Falle des "naiv-realistischen Mißverständnisses") die letztere beschreiben. Diese Beschreibungen "zweiter Ordnung" würden wiederum Beschreibungen "dritter Ordnung" implizieren etc. Um diesen unendlichen Regreß zu umgehen, bleibt im Rahmen eines repräsentationistischen Ansatzes als einzige Lösung die "Elimination von Subjektivität" im Sinne der in der Einführung angedeuteten philosophischen Konzepte. Die Frage nach der "Erlebnisdimension" von Kognition, danach, wie es "für" ein Tier oder einen Menschen ist, seine Welt denkend, wahrnehmend, fühlend zu erleben, muß unter diesen Umständen sinnlos sein. Vor allem aber wird die Spezifik kognitiver Leistungen überhaupt in Frage gestellt; denn es kann so nicht mehr verständlich gemacht werden, wie sich ein System überhaupt zu seiner Umgebung in Beziehung setzen, diese Umgebung zum Gegenstand "für es" werden lassen kann. Dennett oder Churchland haben gewiß recht, wenn sie gegen Konzepte polemisieren, die einen Homunculus im Gehirn implizieren. Das Problem des Erlebens eines "ganzen" Menschen ist damit aber nicht aus der Welt geschafft. Vielmehr erweist sich die scheinbare Unlösbarkeit dieses Problemes als Symptom eines verfehlten Kognitionsverständnisses, das in nichts weniger als der Begrenztheit unserer "klassischen" Rationalität ihren Ursprung hat.
V. Kognitive Neurobiologie als Transklassisches Denken?
Wie läßt sich die "Negativität" von Kognition als Lösung des Körper-Geist-Problemes im Gegensatz zu dem "affirmativen" Verständnis von Kognition im Rahmen des klassischen Denkens und seiner Realisation im repräsentationistischen Forschungsprogramm verstehen? Wie läßt sich ausgehend von der in diesem Buch antizipierten "transklassischen Rationalität" die Perspektive einer Kognitiven Neurobiologie konzipieren? Nicht nur Hegels Logik, sondern auch sein Wahrnehmungskonzept aus der "Phänomenologie des Geistes" kann uns hier wertvolle Denkanstöße liefern.
Der Überzeugung des englischen Sensualismus, daß nichts im Verstande wäre, was nicht von den Sinnen käme, daß unsere komplexen Ideen nichts anderes als die Assoziation jener einfachen Ideen der Sinne seien, setzt Kant die "Spontaneität" des Verstandes entgegen. Die "Spontaneität" des Verstandes und die "Rezeptivität" der Sinnlichkeit, so Kant, können nur "in Verbindung" Gegenstände bestimmen."Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind" (52). Auch Wahrnehmungen als von Empfindungen begleitete Vorstellungen (113) müssen wir in jener gegenseitigen Bedingtheit verstehen. Trotzdem "darf man aber doch nicht ihren Anteil vermischen, sondern man hat große Ursache, jedes von dem anderen sorgfältig abzusondern, und zu unterscheiden" (51f). Hinsichtlich der Wahrnehmung bedeutet dies: Der "Anteil" der Sinnlichkeit ist die Empfindung der "Materien", die in Raum und Zeit als den "reinen Formen der sinnlichen Anschauung" gemäß der transzendentalen Ästhetik eingeordnet werden; der "Anteil" des Verstandes hingegen ist die Vereinigung dieses "Mannigfaltigen" vieler Materien zu einem Gegenstand gemäß den Kategorien der transzendentalen Logik und der "Einheit der Apperzeption".
Hegels "Phänomenologie des Geistes" vollzieht in der "Erfahrung des Bewußtseins als Wahrnehmung" (92ff) die Vermittlung oder den Übergang zwischen Sinnlichkeit und Verstand als dualistisch isolierter "Anteile" des Kantschen Wahrnehmungsbegriffs. Das "Ding mit seinen vielen Eigenschaften", das die Wahrnehmung zunächst als ihren Gegenstand betrachtet, ist insofern widersprüchlich, als es einerseits das "Viele" oder "Auch" der Materien als "Allgemeine" der Wahrnehmung, andererseits aber ihre Zusammenfassung zum "Eins" des Dinges voraussetzt, einerseits die Unabhängigkeit jener Materien voneinander, andererseits aber ihre gegenseitige Bestimmtheit. Das Ding als "Auch" spielt lediglich die Rolle eines Mediums, in dem sich die vielen Materien bewegen, ein Medium, das ermöglicht, daß z.B. das Salz "weiß, und auch scharf, und auch kubisch gestaltet, auch von bestimmter Schwere ist", um Hegels (94) eigenes Beispiel zu verwenden. Diese Eigenschaften können aber, um bestimmt sein zu können, nicht schlechthin gleichgültig gegeneinander sein, sondern müssen sich von anderen Eigenschaften unterscheiden und sich auf andere Eigenschaften als entgegengesetzte beziehen. Ein Ding kann nicht gleichzeitig süß und bitter, wohl aber süß und scharf sein. Oder vielleicht auch: ein (einfarbiges) Ding kann gleichzeitig rot und gelb (orange) sein, nicht aber rot und grün. Hierfür muß die Bestimmung des Dinges als "Eins" angenommen werden, die eben jene Unterscheidungen und Entgegensetzungen vornimmt. Für das Bewußtsein, so müßte man mit Hegel schließen, kann eine "Materie" auf keine andere Weise als diese bestimmt sein. Schließlich kommt aber auch die Bestimmung einer "Eigenschaft" jenen gleichgültigen "Materien" des Dinges als "Auch" noch gar nicht zu, sondern ergibt sich gerade eben aus dem Bezug auf das Ding als "Eins", als die diesem Ding "eigene" Materie. Es gibt keine Röte, Schärfe oder Schwere. Es gibt nur rote, scharfe und schwere Dinge. Das Ding mit seinen vielen Eigenschaften als Gegenstand der Wahrnehmung selbst ist also widersprüchlich, indem es sowohl Eins (nicht Vieles), als auch Vieles (nicht Eins) ist.
Im Fortgang der "Phänomenologie des Geistes" sucht das Bewußtsein diesen Widerspruch aufzulösen, indem es sich selbst in der einen Hinsicht im Sinne Kants das "In-eins-setzen" der als gegeben vorausgesetzten vielen Materien zuschreibt, in einer anderen Hinsicht aber das Ding als "Eins" voraussetzt und sich selbst die Erzeugung der vielen Materien zuschreibt. Zunächst faßt das Bewußtsein das Ding als "Eins" auf und sieht sich somit gezwungen, all das, was jenem "Eins"-sein des Dinges widerspricht als seine Reflexion anzusehen. Explizieren wir dies mit Hegel weiter am Beispiel des Salzes: "Dies Ding ist also in der Tat nur weiß, an unser Auge gebracht, scharf auch, an unsre Zunge, auch kubisch, an unser Gefühl, und so fort. Die gänzliche Verschiedenheit dieser Seiten nehmen wir nicht aus dem Dinge, sondern aus uns; sie fallen uns an unserem von der Zunge ganz unterschiedenen Auge und so fort, so auseinander" (99). Im Gegensatz zu jenem Ding als Eins faßt sich also das Bewußtsein als das allgemeine Medium auf, das dem Ding als "Auch" entsprechen würde. Das Ding als "Eins" ist also "für es", indem es das Moment des "Auch" der vielen unabhängigen Materien als dessen Negation erzeugt. Beide Bestimmungen beziehen sich aber, wie wir gesehen haben, notwendig aufeinander. Jene Materien erhalten ihre Bestimmung als Eigenschaften nur in ihrem Bezug auf das Ding als "Eins", das Ding ist "Eins" nur, insofern es gegen andere Dinge durch unterschiedene Eigenschaften bestimmt ist. Wenn aber die Eigenschaften Eigenschaften des Dinges sein sollen, so muß das Ding selbst "für es" ein Vieles solcher Eigenschaften und somit das "Auch" oder gleichgültige Allgemeine oder Medium dieser Eigenschaften sein. Das Bewußtsein schreibt nun sich selbst die Erzeugung des Dinges als "Eins" zu: "Das In-eins-setzen dieser Eigenschaften kommt nur dem Bewußtsein zu, welches sie daher an dem Ding nicht in Eins fallen zu lassen hat" (101). "Für es" ist also das Ding als "Auch" bzw. die unabhängigen Materien, indem es selbst das Moment des "Eins" als dessen Negation erzeugt. Nun können wir allerdings das Spiel von vorne beginnen lassen: Damit aber das Ding mit vielen Eigenschaften "für es" werden kann, müssen jene Materien gegeneinander bestimmt und somit das Moment der ausschließenden Allgemeinheit an sich selbst haben. Das Bewußtsein muß, um das Eins konstituieren zu können, die Bestimmtheit des Dinges durch seine Eigenschaften festhalten etc.etc. Indem das Bewußtsein also das "Auch" der vielen Materien konstituiert, wird "für es" der Gegenstand als "Eins", der jene Materien zu Eigenschaften macht. Indem es das "Auch" jener Materien "in-eins-setzt", werden jene Materien "für es" zu Eigenschaften des Dinges. In dieser gedoppelten Bewegung wird das Ding mit seinen vielen Eigenschaften also "für" das Bewußtsein.
Prädikatenlogisch betrachtet ergeben sich im Ergebnis des Wahrnehmungskapitels der Phänomenologie recht simple einstellige Prädikate. Die "vielen" Materien würden den "Prädikatoren" entsprechen, das Ding als "Eins" der Variablen. Im Wahrnehmungskapitel der "Phänomenologie" geht es um den Prozeß der Zuordnung dieser Prädikatoren zu den Variablen. Wie läßt sich dieser "Prädikationsprozeß" nun logisch-formal ausdrücken? Die überraschende Antwort ist: Im Rahmen der Klassischen Logik überhaupt nicht! Im prädikatenlogischen Urteil ist die Bindung eines Prädikators an eine Variable immer schon vorausgesetzt. Der Zuordnung von Prädikator und Variable kommt, ebensowenig wie dem Prädikator und der Variablen selbst, eine wahr-/falsch-Unterscheidung zu. Hierfür wäre es erforderlich, die Variable zu quantifizieren oder als Individuennamen zu bestimmen. Sie hat, formal gesehen, keine Bedeutung. Übertragen wir die Erfahrung des Bewußtseins in der Bewegung der Wahrnehmung gemäß der Hegelschen "Phänomenologie" auf dieses Problem, so kann jene Bindung ausgedrückt werden, indem die Erzeugung der durch die (vielen) Prädikatoren (P1, P2, ..., Pn) symbolisierten Materien durch das System bei gegebenem durch die Variable symbolisiertem Ding (als Eins) gezeigt wird und indem die Erzeugung jenes Dinges (als Eins), für das die Variable steht, bei gegebenen Materien, die wieder durch jene Prädikatoren ausgedrückt werden, gezeigt wird - wobei allerdings dieses "und" in seiner offensichtlichen Widersprüchlichkeit noch zu diskutieren sein wird. Das im letzten Abschnitt als grundlegender Ansatz der experimentellen Neurobiologie diskutierte Konzept der "Merkmalselektivität" soll insofern ein Konzept zum Verständnis der Wahrnehmung sein, als es die Rezeptivität gegenüber einem "Allgemeinen" erklären soll, wie es durch den Prädikator im prädikatenlogischen Ausdruck symbolisiert wird. Den Anspruch einer neurobiologischen Erklärung von Wahrnehmung kann dieses Konzept, vom Standpunkt der "Phänomenologie" betrachtet, nicht einlösen, weil es die gegebenen Eigenschaften nur "wiederholt" oder eben "rezipiert", sie aber weder in ihrer Erzeugung zeigt, noch die Erzeugung des "anderen Moments", nämlich ihr In-eins-setzen deutlich macht. Eben diese beiden Perspektiven werden allerdings in Konzepten der theoretischen Neurobiologie "implizit" gezeigt, ohne daß allerdings die entsprechende Logik expliziert und somit "Wahrnehmung" begrifflich durchdrungen wird. Diese Konzepte sollen im Folgenden diskutiert werden.
Die Erzeugung der Prädikatoren bei gegebener Variable (wie wir desweiteren verkürzt sagen wollen) kann im Rahmen von Assemblykonzepten bzw. Neuronalen Netzwerken in Form eines "assoziativen Gedächtnisses" gezeigt werden. Die diesen Modellen zugrundliegenden Algorithmen gehen von einer endlichen Anzahl von Einheiten aus, die über eine Konnektivitätsmatrix verknüpft sind. Eine "Übertragungsregel" definiert in Abhängigkeit von den in dieser Matrix festgelegten Verbindungsstärken die Transformation eines Aktivitätsvektors, der die Aktivität der Elemente zu einem bestimmten Zeitpunkt erfaßt, in einen Aktivitätsvektor, der die Aktivität der Elemente einen Zeitschritt später bestimmt. Weiterhin wird zu der Aktivität aller oder einiger Einheiten ein Input an Aktivität addiert, der den Inputvektor des Netzes bildet. In Abhängigkeit von der Aktivität der verknüpften Elemente verändern sich die Verbindungsstärken der Konnektivitätsmatrix zwischen jenen Elementen gemäß einer "Lernregel". Im Ergebnis des Lernvorganges wird der "Merkmalsraum" des Inputs so auf das Netzwerk projiziert, daß nach Vollzug des Lernens jeder Input eine lokalisierte Aktivität hervorruft, die die wichtigsten Merkmalskoordinaten "repräsentiert". Auf diese Weise sollen solche Assemblykonzepte Modelle für die neurobiologischen Grundlagen der Wahrnehmung im Kontext der entsprechenden Lern- und Gedächtnisleistungen liefern. Die Inputschichten würden dann sensorischen oder subkortikalen Eingängen entsprechen, während die Aktivität der Outputschichten unter bestimmten Bedingungen nach langen Lernprozessen "Merkmalskarten" jenes Inputs repräsentieren würden. Auf dieser Grundlage wurden eine Reihe von Modellen entwickelt, die die Erzeugung topographischer Karten, von Okularitätsdominanz, Richtungsselektivität oder von Orientierungsselektivität erklären. Doch nicht die "Repräsentation" des Inputs im Ergebnis der Plastizität des Assemblys, die wiederum nur "für" einen Beobachter feststellbar ist, modelliert einen kognitiven Aspekt der Wahrnehmung, sondern es ist jene Plastizität selbst, die einen Aspekt von Wahrnehmung erhellt, nämlich die Erzeugung der Prädikatoren bei gegebener Variable, wobei es unerheblich ist, ob ein Beobachter jene "lokalisierte Aktivität" mit Eigenschaften (Merkmalen in seinem Merkmalsraum) korrelieren kann. Im Gegensatz zu diesen auf "Hebbian learning" beruhenden Modellen kann jene Erzeugung der Prädikatoren durch das System selbst über Netze, deren "Lernfähigkeit" auf "supervised learning" (etwa einem back-propagation algorithm) beruht, nicht gezeigt werden; denn hier werden die relevanten Unterscheidungen nicht vom Netzwerk selbst, sondern vom "Trainer" getroffen.
Reinterpretiert werden müssen diese Konzepte und ihre empirischen Belege vor dem Hintergrund der Hegelschen Wahrnehmungslogik also dahingehend, daß nicht etwa durch die "Repräsentation" der Merkmale in einem Assembly die "Wahrnehmung" dieser Merkmale konzeptualisiert wird, sondern durch die Erzeugung dieser Merkmale durch das System selbst jenes Moment der Wahrnehmung, in dem durch die Erzeugung der Prädikatoren das durch die Variable symbolisierte Ding als "Eins" "für" das System wird.
Daß aber auch die umgekehrte Leistung, die Erzeugung jener (einen) Variable, die die (vielen) Prädikatoren "in-eins-setzt" für die Wahrnehmung eine wesentliche Rolle spielt, zeigt sich an einem fundamentalen theoretischen Problem dieser Netzwerkmodelle, das sich ergibt, wenn im Ergebnis dieser ontogenetischen Plastizität die Prädikatoren in Form der Aktivität merkmalselektiver Einheiten vorausgesetzt werden und entschieden werden muß, welche der Prädikatoren P1, P2, ..., Pn an die Variable zu binden sind. Diese Schwierigkeit ergibt sich, wenn zwei oder mehr Dinge im "Wahrnehmungsfeld" unterschieden werden können. Setzen wir etwa die durch die beiden folgenden Existenzurteile ausgedrückten Dinge mit ihren (jeweils zwei) Eigenschaften voraus:
V(x1) [P1(x1) & P2(x1)] (1)
V(x2) [P3(x2) & P4(x2)] (2)
Das Assembly hätte nun exakt die Aufgabe, die Bindung der in Form der Aktivität merkmalselektiver Einheiten gegebenen Prädikatoren an jeweils eine der beiden Variablen zu erzeugen. Da aber das Assembly diese Prädikatoren nur durch die Koaktivierung dieser Einheiten im Ergebnis seiner Lernprozesse ausdrücken kann, kommt es schon, wenn wir uns auf die Fälle von zwei Merkmalen beschränken, zu den folgenden vier "illusorischen Konjunktionen":
V(x3) [P1(x3) & P3(x3)] (3)
V(x4) [P1(x4) & P4(x4)] (4)
V(x5) [P2(x5) & P3(x5)] (5)
V(x6) [P2(x6) & P4(x6)] (6)
Ein neuronales Netz kann die Bindung gegebener Prädikatoren an ihre Variablen nicht ausdrücken, kann also die "vielen Materien" nicht "in-eins-setzen". Dieses sowohl bereits in den frühen Arbeiten zum "Perceptron" als auch in der modernen Konnektionismuskritik monierte "Bindungsproblem" führt bereits bei der Wahrnehmung wenig komplexer Szenen oder Situationen zur "Superpositionskatastrophe". Einen Lösungsansatz zur Bewältigung jenes Bindungsproblems schlägt C.v.d.Malsburg in seiner "Korrelationstheorie der Hirnfunktion" vor. Im Gegensatz zu der Beschränkung der neuronalen Aktivität auf die über die Zeit gemittelte Entladungsrate der Zellen in den herkömmlichen Konzepten macht dieser Ansatz von der Zeitstruktur dieser Aktivität Gebrauch: Die "Bindung" der Aktivitäten koaktivierter Einheiten könnte ihrerseits über eine Korrelation der Auftrittswahrscheinlichkeiten eines Aktionspotentials über die Zeit in diesen Einheiten erreicht werden: Die Zeitstruktur der Aktivität von Einheiten, die Merkmale desselben Objekts "codieren", würden miteinander korreliert sein, die Zeitstruktur der Aktivität von Einheiten, die Merkmale verschiedener Objekte "repräsentieren", müßte demzufolge dekorreliert sein. Solche Verbundstrukturen merkmalsselektiver Einheiten bezeichnet v.d.Malsburg als "Korrelate" und erklärt die Möglichkeit der Erzeugung der Korrelationen der Zeitstrukturen der Aktivität dieser Einheiten durch die Einführung einer neuen Form dynamischer Kontrolle, die "synaptische Modulation", die wie die Hebbsche Plastizität auf der positiven Rückkopplung zwischen der Korrelation (bzw. Dekorrelation) der Zeitstrukturen zweier Einheiten und der Zunahme (bzw. Abnahme) der Wichtung ihrer Verbindungen beruht, anders als die Hebb-Synapsen aber Modulationszeiten unterhalb des Sekundenbereiches aufweist. Die Hebbsche Plastizität würde nun lediglich einen Ruhewert der Wichtungen festlegen, der bei Aktivierung der verknüpften Elemente moduliert wird. Nicht der von v.d.Malsburg vorgeschlagene Mechanismus der "synaptischen Modulation", wohl aber das Prinzip der "Codierung" "globaler Stimuluseigenschaften" durch die Korrelation der Zeitstruktur der Aktivität von Populationen merkmalselektiver Zellen wurde in den letzten Jahren durch einige spektakuläre Experimente belegt, deren Ergebnisse allerdings keineswegs unumstritten sind. Auch die experimentellen Ergebnisse legen nahe, daß diese internen Korrelationen nicht auf einem gemeinsamen Input, sondern der reziproken Aktivierung der Einheiten beruht. Logisch gesprochen: Die Erzeugung der Variable kann nicht aus jenen Prädikatoren selbst abgeleitet werden. Deutlicher würde diese Interpretation werden, wenn die Experimente auf einem reicheren Reizangebot beruhen würden, das verschiedene Möglichkeiten der Bindung von Merkmalen, des "In-eins-setzens" der Prädikatoren - etwa in Abhängigkeit der Verhaltensaufgabe des Tieres - schaffen würde.
Die Lösung des Bindungsproblemes bestünde also logisch gesehen in dem In-eins-setzen jener (vielen) Prädikatoren durch die Erzeugung der bindenden Variable durch das System unter Voraussetzung der Prädikatoren. Wiederum ist es jene "synaptische Modulation" oder Veränderung der "effektiven Konnektivität" als besondere Formen neuronaler Plastizität, die jenem kognitiven Moment der Wahrnehmung zugrundliegen, und nicht etwa eine "Objektrepräsentation", wie sie ein Beobachter im Ergebnis dieser Plastizität beschreiben könnte. Reinterpretiert werden müßte die Korrelationstheorie vor dem Hintergrund der diskutierten Logik der Wahrnehmung also wiederum dahingehend, daß durch die Annahme interner Korrelationen der Aktivitäten merkmalselektiver Zellen nicht etwa eine "Objektrepräsentation" konzeptualisert wird, sondern über die Erzeugung des (durch die Variable symbolisierten) Dinges als "Eins" durch das System selbst jenes Moment der Wahrnehmung erfaßt wird, in dem die (durch die Prädikatoren erfaßten) "vielen Materien" als Eigenschaften "für" das System werden.
Theoretisch unbefriedigend an der hier dargestellten Logik der Wahrnehmung ist nun, daß Wahrnehmung gemäß der Erfahrungen des Bewußtseins als Wahrnehmung in zwei "Momente" "zerfällt", die der Dualität von Prädikator und Variable entsprechen: das "Für-es-sein" der "vielen" Materien durch die Erzeugung des Dinges als "Eins" und das "Für-es-sein" des Dinges als "Eins" durch die Erzeugung der "vielen" Materien. Ein solcher Widerspruch erweist diese Dualität als ein relatives Wissen, über das das Bewußtsein in Hegels "Phänomenologie" auf seinem Weg zum absoluten Wissen (dem wir hier nicht folgen können und wollen), aber auch der Hirnforscher auf dem Weg zu einer Kognitionstheorie (den wir hier durchaus vorbereiten wollen) hinausgehen muß. Hegel sucht die Auflösung jener Dualität in dem "absoluten Unterschied" der "verschiedenen Dinge": Statt das "Eins" und "Viele" zwischen sich und dem Gegenstand zu "verteilen", schreibt das Bewußtsein jene beiden Momente nun wechselseitig zwei Dingen zu. Reflexionslogisch wird somit "für" das Bewußtsein das eine Ding, indem es dessen Unterscheidung von dem anderen Ding als Negation dieses Dinges erzeugt. "Die verschiedenen Dinge sind also für sich gesetzt; und der Widerspruch fällt in sie so gegenseitig, daß jedes nicht von sich selbst, sondern nur von dem anderen verschieden ist. Jedes ist aber hiemit selbst als ein Unterschiedenes bestimmt, und hat den wesentlichen Unterschied von dem anderen an ihm" (102). Von all jenen mannigfaltigen Eigenschaften sind nun nur noch diejenigen wesentlich, die das eine Ding von dem anderen unterscheiden und so den "absoluten Unterschied" zwischen ihnen ausmacht. Die sonstigen Eigenschaften hingegen werden unwesentlich. Das Ding ist somit als sein Verhältnis zu dem anderen Ding bestimmt, jenes Verhältnis aber ist gerade die Negation des Dinges als selbständigem Eins (103). Das Ding ist in jenem Verhältnis "aufgehoben", wie Hegel sich ausdrückt. Wir erkennen somit, das wir nicht Dinge, sondern ihre Unterschiede wahrnehmen. Tatsächlich kehren wir mit dieser "Aufhebung" des Dinges im Unterschied verschiedener Dinge zu der eigentlichen Problemstellung der Korrelationstheorie zurück, in der es ja gerade um die "Superposition" verschiedener Objekte ging. Allerdings sehen wir nun, daß es nicht hinreichend ist, die vielen Materien oder eben "Merkmalsselektivitäten" "in-Eins-zusetzen", um die Wahrnehmung dieser Objekte erklären zu können, sondern daß hierfür eben die Negation des Dinges überhaupt als dessen Unterscheidung von einem anderen Ding erforderlich ist. Wir können uns diese Unterscheidung eben als jene Figur-Grund-Unterscheidung vorstellen, der wir bereits in der Darstellung des Denkansatzes der Korrelationstheorie begegnet sind. Betonen wir den Aspekt der "Szenensegmentation" gegenüber jenem der "Merkmalsbindung", so ist das bestimmende Moment jenes Ansatzes die Dekorrelation einer anfangs kohärenten Aktivität zu zwei in sich korrelierten Korrelaten, die wechselweise entweder die Figur oder aber den Grund verkörpern können. Das System erzeugt also in Form dieser Dekorrelation die Negation des "Dinges mit seinen vielen Eigenschaften", durch die "für" das System dieses Ding als Figur vor einem Grund und schließlich als Objekt in einer Szene wird. Jenseits dieser Interpretation müßte die Korrelationstheorie lediglich dahingehend modifiziert werden, daß als "logischer Urzustand" des Cortex nicht die totale Dekorrelation, sondern die totale Korrelation angenommen werden müßte, wie sie etwa regional während eines epileptischen Anfalls auftritt, aber normalerweise durch weitreichende Inhibierungen unterbunden wird.
Erfüllt nun aber diese Diskussion der beiden Theorienansätze vor dem Hintergrund des Prädikationsproblemes tatsächlich die von der Polykontexturalitätstheorie als "Reflexionsinstanz" gesetzten logisch-organisationalen Voraussetzungen, um von "Wahrnehmung" und somit "Kognition" sprechen zu können? Wir haben festgestellt, daß die Prädikatenlogik eben jene Bindung von Prädikator und Variable voraussetzt und selbst nicht operationalisieren kann. Nicht die Prädikatoren, wohl aber die Aussagen des Neurowissenschaftlers über das "Feuern" merkmalselektiver Einheiten lassen sich hingegen durchaus aussagenlogisch ausdrücken. Wir können den Prädikatoren P1, P2, ..., Pn die Aussagenvariablen p1, p2, ..., pn zuordnen, deren Bedeutung sein soll: "Die merkmalselektive Einheit, die den Prädikator Pi verkörpert, ist aktiv". Machen wir uns das Problem an dem o.g. Beispiel deutlich: Die Koaktivierung der vier Einheiten, die P1, P2, P3 und P4 verkörpern, könnte man als Konjunktion der entsprechenden Aussagen auffassen:
p1 & p2 & p3 & p4 (7)
Auch hier würde sich das Problem der "Bindung" oder "Szenensegmentation" ergeben, weil nicht entschieden werden kann, welche dieser Zellen für die Merkmale welcher Dinge selektiv sind, welche Konjunktionen von Aussagen also einem Ding entsprechen. Auflösen läßt sich dieses Problem genau dann, wenn wir eine bestimmte Negation einführen, die diese Konjunktionen unterscheidet. Wir könnten dann die beiden Konjunktionen unseres trivialen Beispiels in einer dreiwertigen Verbundkontextur wiefolgt verteilen:
L1/2: p1 & p2
L2/3: p3 & p4
L1/3: p1 & p2 (8)
Die Dekorrelation zweier Korrelate würde nun der bestimmten Negation N1 entsprechen. Die Konjunktionen der den Prädikatoren zugeordneten Aussagen würden demgegenüber in unterschiedenen Kontexturen die Korrelationen der Aktivitäten merkmalselektiver Einheiten ausdrücken, ohne daß ihre Koaktivierung zur Superpositionskatastrophe führt.
Es scheint also tatsächlich sinnvoll zu sein, jenes Prädikationsproblem im Rahmen derselben logischen Organisation aufzulösen, die wir als Kriterium für ein kognitives System angegeben haben. Wie hätten wir das unter (8) angegebene Formalsystem nun reflexionslogisch zu interpretieren? Die Unterscheidung der beiden Korrelate als deren Dekorrelation entspricht nun der vom System selbst vorgenommenen wahr-/falsch-Unterscheidung in Kontextur L1/2, die die Unterscheidung der beiden Dinge erzeugt und diese Dinge somit "für" das System werden läßt. Den Prozeß der Unterscheidung kann ein Beobachter über die durch Kontextur L1/2 vermittelten Kontexturen L2/3 und L1/3 beschreiben. "Für" das System wird also das Ding oder die Figur in Form jener einen Konjunktion, indem es die jeweils andere Konjunktion als anderes Ding oder Grund unterscheidet. Gleichzeitig begegnet uns jene Ambivalenz des Dingbegriffes, die dem "Kippen" der Figur-Grund-Unterscheidung entspricht, indem die Belegung der einen oder der anderen Konjunktion mit dem ersten bzw. zweiten Wert austauschbar ist. "Für" das System wird also die jeweils eine Konjunktion als "Figur", indem es die Unterscheidung von der jeweils anderen als Grund vornimmt. Die Figur würde in diesem Unterschied dem "aufgehobenen" "Ding als Eins" entsprechen. Nicht zuletzt würden durch diese Konjunktionen in verschiedenen Kontexturen aber auch die Aktivitäten der merkmalsselektiven Einheiten, die bislang nur durch "unsere" Zuordnung ihre Bedeutung erhielten, eine Bedeutung "für es", das System gewinnen - wenn auch in diesem trivialen System nur in dem trivialen Sinne, daß P1 und P2 sowie P3 und P4 einander als Eigenschaften eines Dinges oder einer Figur nicht ausschließen. Die Auflösung des Prädikationsproblemes würde uns also die Auflösung des Reflexionsproblemes liefern.
Nach unserer Darstellung und Interpretation der logischen Organisation einer transklassischen Logik vor dem Hintergrund der Hegelschen Reflexionstheorie sollte deutlich geworden sein, daß das "für" der von uns verwendeten Begrifflichkeit durchaus ein Konzept anbietet, in der sich das logische Problem der Frage Nagels auflösen läßt, wie es "für" ein Lebenwesen ist, seine Welt wahrzunehmen, und somit das aus dieser Fragestellung abgeleitete fundamentale Methodenproblem einer Kognitiven Neurobiologie gelöst werden kann. Die wahr-/falsch-Unterscheidungen in der Kontextur L1/3 und L2/3 beziehen sich auf physikalische Beschreibungen des Systems. Die wahr-/falsch-Unterscheidung in Kontextur L1/2 bezieht sich auf Prädikationen des Systems, die eine kognitive Leistung des Systems darstellen und zumindest ihrer logischen Organisation nach der Form des "Erlebens" durch ein "Bewußtsein" entsprechen könnten. In einer entsprechend unserer Reinterpretation umgearbeiteten Form könnten also die Assemblykonzepte und die Korrelationstheorie unter Betonung des Aspektes der Bindung bzw. der Szenensegmentation jene in den Kontexturen L1/3 und L2/3 zu konzeptualisierenden physikalischen Theorien sein, die in der Kontextur L1/2 eine Beschreibung der Wahrnehmung der Merkmale des Dinges und seiner "Einheit" bzw. des Dinges mit seinen vielen Eigenschaften erlauben würden. Die Konzeptualisierung der Erzeugung der zu diesen "Wahrnehmungsinhalten" in L1/2 negativen Momente durch das System selbst in L2/3 (in Bezug auf L1/3) würde zur Vermittlung der Perspektiven "erster" und "dritter" Person führen. Das fundamentale Methodenproblem einer Kognitiven Neurobiologie besteht in der Konfrontation des dem zweiten Wert entsprechenden "logischen Ortes" des Systems mit dem dem dritten Wert entsprechenden "logischen Ort" des Beobachters, beide relativ zu dem dem ersten Wert entsprechenden "Gegenstand" der Wahrnehmung. Seine Auflösung wird in einer mindestens dreiwertigen transklassischen Logik möglich. Die Auflösung eines Grundproblemes der kognitiven Neurobiologie erfordert somit nichts weniger als eine neue, eine "transklassische" Rationalität.
Wenn auch mit diesem Kognitionsproblem das logische Problem der Vermittlung von Körper und Geist gelöst werden kann, muß doch bezweifelt werden, ob vor dem Hintergrund der Korrelationstheorie eine (nicht-reduktive) neurowissenschaftliche Erklärung des Bewußtseins möglich wäre. Tatsächlich wird die von v.d.Malsburg postulierte und mittlerweile nachgewiesene Kohärenz neuronaler Aktivität von Autoren wie Crick und Koch als "Korrelat" bewußten Erlebens diskutiert. Doch ist diese Hypothese nicht nur durch den repräsentationistischen Interpretationsrahmen der Autoren fragwürdig, zu dem wir hier ja eine Alternative angeboten haben, sondern auch aus empirischen und theoretischen Erwägungen. So ist es ebenso wenig plausibel, daß die Synchronisation von Oszillationen im Cortex von anästhesierten Katzen ein Korrelat von Bewußtsein sein soll, wie, daß man einem so simplen technischen System wie "gekoppelten Oszillatoren" zumindest Vorstufen von Bewußtsein zuschreiben müßte. Durch unseren Ansatz der Interpretation der Korrelationstheorie als "Dekorrelationstheorie" würde man diese "Kohärenzhypothese" des Bewußtseins zwar durch eine "Inkohärenzhypothese" ersetzen, die empirisch plausibel machen würde, warum diese Oszillationen am wachen Versuchstier so schwer zu finden sind, und auch weit komplexere technische Modelle erfordern würde; doch ist noch immer sehr zweifelhaft, ob den so beschriebenen simplen kognitiven Leistungen auch schon ein "bewußtes Erleben" unterstellt werden sollte.
VI. Ausblick
Im letzten Abschnitt wurde gewiß das Problem des "bewußten Erlebens" nicht gelöst. Es wurde aber im Bezug auf moderne Konzepte der theoretischen Neurobiologie und Ergebnisse empirischer Forschung gezeigt, wie die logische Organisation einer Sprache aussehen muß, in der das Nagelsche "What is it like to be ..." und das von dieser Frage abgeleitete Methodenproblem einer Kognitiven Neurobiologie kein Problem mehr ist. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, daß mit der Auflösung dieses Problems nur ein erster Schritt zur Entwicklung einer Kognitiven Neurobiologie geleistet ist. Bislang wurde lediglich gezeigt, daß ein Konzept der "bestimmten Negativität" erforderlich ist, um mit der "Erlebnisdimension" eines kognitiven Systems umgehen zu können. Die eigentliche Aufgabe wird aber demzufolge sein zu zeigen, wie die Bestimmung dieser Negativität durch das System selbst erfolgt.
Hegels "Phänomenologie des Geistes" kann hier wiederum einen wichtigen Beitrag leisten, auch wenn eine nicht unerhebliche "Sinntransformation" geleistet werden muß, um ihre Denkformen nutzbar zu machen. Es wäre zu zeigen, wie die widersprüchlichen Momente des Dinges als Gegenstand der Wahrnehmung in ihrem Verhältnis als Gegenstand des Verstandes aufgelöst wird, wie er im Widerspruch der Einheit dieses Verhältnisses und des Auseinanderfallens seiner Momente wieder auftaucht und so die "Gegenwelt" des Selbstbewußtseins erzeugt, in der das Bewußtsein sich selbst zum Gegenstand wird, und wie die Wiederholung dieser gesamten Bewegung in Form des sich seiner selbst bewußten Wissens als Vernunft endlich zu der "an und für sich seinenden Individualität" als entfalteter Vernunft führt, die wir als die Hegelsche "Handlungstheorie" interpretieren können. Zur Explikation dieser Denkformen würde uns Günthers Konzept der Proemialrelation im Kontext einer vier- oder gar fünfwertigen Polykontexturalen Logik dienen können, in dem wir eine Vermittlung der "volitiven Relationalität" des Selbstbewußtseins mmit der "kognitiven Relationalität" des Verstandes zur "Proemialität" der Handlung modellieren würden. Wir könnten so zeigen, daß die "Negativität" der Wahrnehmung durch die Zwecke des Handelns bestimmt wird. Die Ergebnisse dieses Aufsatzes würden dann dahingehend "aufgehoben" werden können, daß als Gegenstand der Wahrnehmung nicht mehr das "Ding mit seinen vielen Eigenschaften" angesehen werden müßte, sondern die durch den Zweck der Handlung bestimmte Mittel-Objekt-Relation. Konzepte, die eine solche Logik mit Ergebnissen neurowissenschaftlicher Forschung in Beziehung setzen könnten, wären Maturanas Biologie der Kognition oder Varelas "enacting approach". Besonders aber würde sich eine neue Methodologie empirischer Forschung erforderlich machen, die es erlaubt, die Handlungsbestimmtheit und den Handlungscharakter von Wahrnehmung zu untersuchen. Eine erste Ausführung dieser Ideen wurde an anderer Stelle versucht.
Literatur
Nagel,T., What is it like to be a bat? The Philosophical Review 83,435-450 (1974)
Newell,A./H.A.Simon, Human Problem Solving, Englewood Cliffs: Prentice-Hall 1972
Rumelhart,D.E./J.L.McClelland, Parallel Distributed Processing: Explorations in the microstructure of cognition, Vol.1: Foundations, Cambridge: MIT Press 1986; McClelland,J.L./D.E.Rumelhart, Parallel Distributed Processing: Explorations in the microstructure of cognition, Vol.2: Applications, Cambridge: MIT Press 1986
Einen Überblick bietet etwa: Squire,L.R./E.R.Kandel (eds.), Cognitive Neuroscience, Curr.Opin.Neurobiol. 3,203-208 (1993)
Searle,J.R., The rediscovery of the mind, London 1992
Churchland,P.S., Neurophilosophy. Towards a unified science of the mind-brain, Cambridge 1986, aber auch Dennett, D.C., Consciousness explained, London: Lane 1992
Günther,G., Die aristotelische Logik des Seins und die nicht-aristotelische Logik der Reflexion, Zeitschr.f.philos.Forschung 12, 360-407 (1958); Idee und Grundriß einer Nicht-Aristotelischen Logik, Hamburg: Meiner 1959; Beiträge zur Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik, I-III, Hamburg: Meiner 1976, 1979, 1980
Hegel,G.W.F., Sämtliche Werke, Ed. Glockner, Bd.2, Phänomenologie des Geistes, Stuttgart 1932
In meinen früheren Arbeiten habe ich die Anwendung jener Denkformen bereits im Rahmen einer theoretischen Biologie auf Grundlage der Hegelschen Logik bzw. der Transklassischen Logik Günthers versucht: Ziemke,A. & K.Stöber, System und Subjekt, in: Schmidt,S.J.(Hg.), Kognition und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2, Frankfurt a.M. 1992; Ziemke,A., System und Subjekt. Biosystemforschung und Radikaler Konstruktivismus im Lichte der Hegelschen Logik, Braunschweig, Wiesbaden 1992; Selbstorganisation und Transklassische Logik, Selbstorganisation 2, 27-52 (1991); Biologie der Kognition und Transklassische Logik, Klagenfurter Beiträge zur Technikdiskussion 45 (1991); Kybernetik, Systemtheorie und Transklassische Logik, in: ICS (Hg.), Kybernetik und Systemtheorie - Wissenschaftsgebiete der Zukunft? Greven 1992
Günther,G., Eine neue Theorie des Denkens in Hegels Logik, Hamburg: Meiner 1938
Günther, FN 7, 1959
Günther, FN 7, 1958,374, 1976,155
Wittgenstein,L., Tractatus Logico-Philosophicus, Frankfurt 1990; Die in Klammern gesetzten Zahlen beziehen sich auf die Paragraphen in der Gliederung der Schrift durch den Autor.
v.Glasersfeld,E., Wissen, Sprache und Wirklichkeit. Arbeiten zum Radikalen Konstruktivismus, Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg 1987; Man beachte, daß sich dieses "offensichtliche" logische Problem nur im Falle des "Gedanken", nicht aber des "Satzes" ergibt. Der Satz ist durchaus eine Tatsache. Ob er sich als "logisches Bild" auffassen läßt, ist eine empirische Frage.
FN 8, 258
FN 8, 38
Man beachte, daß sich eine "Reflexionslogik" erst aus dieser bestimmten Wertbelegung ergibt, die eine Hierarchie in die Differenzstruktur einführt. Die Morphogrammatik konzeptualisiert lediglich drei inhaltlich nicht spezifizierte, parallele und heterarchische Differenzen (Akte des Unterscheidens). Alternative Wertbelegungen, die man etwa durch die Umkehr der Ordnungsrelation in L1/3 erhält, ergeben ebenfalls keine Reflexionslogik, da sie diese Heterarchie aufrechterhalten.
Mit Hegels Worten in Fortsetzung des o.g. Zitats: "Es kann jedoch darum nicht gesagt werden, daß das Falsche ein Moment oder gar ein Bestandteil des Wahren ausmache. Daß an jedem Falschen etwas Wahres sei - in diesem Ausdruck gelten beide, wie Öl und Wasser, die unmischbar nur äußerlich verbunden sind. Gerade um der Bedeutung willen, das Moment des vollkommenen Andersseins zu bezeichnen, müssen ihre Ausdrücke da, wo ihr Anderssein aufgehoben ist, nicht mehr verwendet werden" (FN8, S.38).
Hartline,H.K., The response of single optic nerve fibers of the vertebrate eye to illumination of the retina, Am.J.Physiol. 121, 400-415 (1938); The receptive fields of optic nerve fibers, Am.J.Physiol. 130, 690-699 (1940)
Barlow,H.B., Summation and inhibition in the frog's retina, J.Physiol. 119,69-88 (1953); Barlow,H.B., C.Blakemore & J.D.Pettigrew, The neural mechanism of binocular depth discrimination, J.Physiol. 193,327-342 (1967); DeValois,R.L., I.Abramov & G.H.Jacobs, Analysis of response patterns of LGN cells, J.Opt.Soc.Am. 56,966-977 (1967); Hubel,D.H. & T.N.Wiesel, Receptive fields of single neurons in the cat's striate cortex, J.Physiol. 148, 574-591 (1959); Receptive fields, binocular interaction and functional architecture in the cat's visual cortex, J.Physiol. 160, 106-154 (1962); Receptive fields and functional architecture of monkey striate cortex, J.Physiol. 195, 215-243 (1968); Maturana,H.R., J.Y.Lettvin, W.S.McCulloch & W.H.Pitts, Anatomy and physiology of vision in the frog (Rana pipiens), J.Gen.Physiology 43, 129-175 (1960); Gross,C.G./C.E.Rocha-Miranda/D.B.Bender, Visual Properties of Neurons in Inferotemporal Cortex of the Macaque Monkey, J.Neurophysiol. 66,170-189 (1972)
Zeki,S.M. & S.Shipp, The Functional Logic of Cortical Connections, Nature 335, 311-317 (1988); Zeki,S., The Visual Image in Mind and Brain, Scientific American September 1992; Van Essen,D.C. & J.H.R.Maunsell, Hierarchical Organization and functional streams in the visual cortex, Trends Neurosci. 6, 255-281 (1983); Van Essen,D.C., C.H.Anderson & D.J.Felleman, Information processing in the Primate Visual System: an Integrated Systems Perspective, Science 255,419-423 (1992)
Barlow,H.B., Single units and sensation: a neuron doctrine for perceptual psychology? Perception 1,371-394 (1972)
Tanaka,K., Inferotemporal cortex and higher visual functions, Curr.Opin.Neurobiol. 2,502-505 (1992)
Sejnowski,T.J., C.Koch & P.S.Churchland, Computational Neuroscience, Science 241, 1299-1306 (1988); Oft zitierte Arbeiten dieses Forschungsansatzes sind: Hurlbert,A.C. & T.A.Poggio, Synthesizing a Color Algorithm from Examples, Science 239, 482-485; Lehky,S.R. & T.J.Sejnowski, Network model of shape from shading: neural function arises from both receptive and projective fields, Nature 333, 452-455 (1988); Marr,D. & S.Ullmann, Directional selectivity and its use in early visual processing, Proc.R.Soc.London Ser.B 211,151-180 (1981)
Marr,D., Vision, New York: Freeman 1982
Vgl. FN 6
Kant,I., Kritik der reinen Vernunft, Leipzig 1979; Die nachfolgend in Klammern gesetzten Seitenangaben beziehen sich auf die Originalausgabe von 1781.
FN 8, Die nachfolgend in Klammern gesetzten Seitenangaben beziehen sich auf diese Ausgabe.
Palm,G., Neural Assemblies, Berlin, Heidelberg: Springer 1982
Bienstock,E.L, L.N.Cooper & P.W.Munro, Theory for the development of neuron selectivity: Orientation specifity and binocular interaction in visual cortex, J.Neurosci. 2,32-48 (1982); Kohonen,T., Self-organized formation of topologically correct feature maps, Biol.Cybern. 43,59-69 (1982); Kohonen,T., Analysis of a simple self-organizing process, Biol.Cybern. 44,135-140 (1982); Linsker,R., From basic network principles to neural architecture: Emergence of orientation selective cells, Proc.Natl.Acad.Sci.USA 83,8390-8394 (1986); From basic network principles to neural architecture: Emergence of orientation columns, Proc.Natl.Acad.Sci.USA 83,8779-8783 (1986); v.d.Malsburg,C., Self-organization of orientation selective cells in the striate cortex, Kybernetik 14,85-100 (1973); Development of ocularity domains and growth behavior of axon terminals, Biol.Cybern. 32,49-62 (1979); v.d.Malsburg, C. & J.D.Cowan, Outline of a theory for the ontogenesis of iso-orientation domains in visual cortex, Biol.Cybern. 45,49-56 (1982)
Empirische Belege solcher Konzepte könnten etwa sein: Recanzone,G.H., C.E.Schreiner & M.M.Merzenich, Plasticity in the Frequency Representation of Primary Auditory Cortex Following Discrimination Training in Adult Owl Monkeys, J.Neurosci. 13,87-103 (1993); Merzenich,M.M. & K.Sameshima, Cortical Plasticity and Memory, Curr.Opin.Neurobiol. 3, 187-196 (1993)
Minsky,M. & P.Papert, Perceptrons, Cambridge 1974
Fodor,J.A. & Z.W.Pylyshyn, Connectionism and cognitive architecture: A critical analysis, Cognition 28,3-71 (1988)
v.d.Malsburg,C., The Correlation Theory of Brain Function, Internal Report 81-2, Göttingen: MPI for Biophysical Chemistry 1981; Am I Thinking Assemblies? in: Palm,G. & A.Aertsen (eds.), Brain Theory, Berlin, Heidelberg: Springer 1986, 161-175; Synaptic Plasticity as Basis of Brain Organization, in: Changeux, J.P. & M.Konishi (eds.), The Neural and Molecular Bases of Learning, New York: Wiley 1987
Eckhorn,R. et al., Coherent oscillations: A mechanism of feature linking in the visual cortex? Multiple electrode and correlation analyses in the cat, Biol.Cybernetics 60,121-130 (1988); Engel,A.K., P.König, A.K.Kreiter, T.B.Schillen & W.Singer, Temporal Coding in the visual cortex: new vistas on integration in the nervous system, Trends Neurosci. 15,6,218-226 (1992); Gray,C.M., P.König, A.K.Engel & W.Singer, Oscillatory responses in cat visual cortex exhibit inter-columnar synchronization which reflects global stimulus properties, Nature 338,334-337 (1989)
Man mißverstehe dieses Formelspiel bitte nicht als einen (mißglückten) Versuch, ein Wahrnehmungsmodell zu entwerfen. Vielmehr handelt es sich hier um ein triviales Beispiel zur Verdeutlichung der Kriterien der Organisation einer formalen Sprache, in der ein solches Modell formuliert werden könnte.
Es muß hier allerdings angemerkt werden, daß Günthers Ausführung der Idee einer Transklassischen Logik in Form der Stellenwertlogik die Anforderungen dieser Interpretation nicht erfüllt. Interpretiert man hier L1/3 und L2/3 als physikalische Beschreibungen, so existieren für ein gegebenes System physikalischer Beschreibungen mehrere Möglichkeiten von Beschreibungen von Erlebniszuständen in L1/2. Eine solche Logik würde also eine dualistische Interpretation implizieren.
Crick,F./C.Koch, Towards a Neurobiological Theory of Consciousness, Semin.Neurosci. 2,263-275 (1990); Crick,F./C.Koch, The Problem of Consciousness, Sci.American 267,152-159 (1992)
Maturana,H.R., Erkennen. Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg 1982; Varela,F.J., Principles of Biological Autonomy, New York, Oxford: North Holland 1979; Varela,F.J./E.Thomson, Der mittlere Weg der Erkenntnis, Bern, München: Scherz 1992; Thomson,E./A.Palacios/F.J.Varela, Ways of Coloring: Comparative color vision as a case study for cognitive science, Behavioral and Brain Sciences 15, 1-25 (1992)
Ziemke, Axel, Was ist Wahrnehmung? Versuch einer Operationalisierung von Denkformen der Hegelschen "Phänomenologie" für kognitionswissenschaftliche Forschung, Berlin: Duncker & Humblot 1994; Teleologie der Wahrnehmung. Eine allgemeine Methodenkritik biologischer Forschung am Beispiel der Neurobiologie der Wahrnehmung, Philosophia Naturalis 2(1994); Das Ding als Wahrnehmung und seine "Aufhebung" in der Handlung, in: Ziemke,A. & O.Breidbach (Hg.) Repräsentationismus. Was sonst? Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg 1995