HomePage RecentChanges

freiheit-und-liebe philosophie-und-meditation

DIE NACHT, WORIN ALLE KÜHE? SCHWARZ SIND

Philosophie und Meditation

von Axel Ziemke

(erschienen in Info3, Januar 2010)

Ich sitze auf meinem Meditationskissen, zünde eine Kerze an, richte mich in meiner Haltung ein und schlage dreimal meine Klangschale an. Cécile, meine Frau, sitzt mir gegenüber. Sie, ohne die ich nie die Geduld aufgebracht hätte, diesen Weg über Jahre ohne spürbare Fortschritte zu gehen. Ich falte die Hände zu einer Gebetshaltung und verneige mich tief. Ich ziehe mir die Kapuze meines Meditationspullovers über den Kopf, schließe die Augen und falte die Hände vor meinem Bauch. Mir ist klar, dass vieles von dem nicht nötig wäre, nur eine lieb gewonnene Gewohnheit ist. Ich genieße diesen Augenblick. Ich weiß, dass ich in den nächsten 25 Minuten nichts tun muss. Nichts. Nur mit wacher Aufmerksamkeit erwarten, was mir geschenkt wird. Ich sitze aufrecht und entspannt. Wo ich Spannungen in meinem Körper spüre, lasse ich sie los. Nach und nach komme ich zur Ruhe. Ich lasse mir Zeit dafür. Gedanken, die kommen, lasse ich vorüberziehen, ohne mich mit ihnen zu verbinden. Geräusche lasse ich sein, ohne mich für sie zu interessieren. Meinen Körper und meinen Atem spüre ich, ohne zu werten. Ich brauche keine Kraft aufwenden, um Gedanken, Empfindungen und Gefühle zum Schweigen zu bringen. Sie lassen mich los, so wie ich sie loslasse. Ich löse mich immer mehr von der Welt um mich herum, von den alltäglichen inneren Monologen und Assoziationen. Ich werde immer ruhiger. Mein Atem wird immer langsamer. Jetzt sind es weniger Gedanken und Empfindungen, die in mir auftauchen. Es sind eher Bilder. Auch sie lasse ich los. Ich lasse mich in mich zurück sinken. Irgendwann spüre ich, dass ich angekommen bin. Eine tiefe Ruhe umfängt mich. Ich atme kaum noch. Meine Seele ist in sich zur Ruhe gekommen. Es ist ein merkwürdiger Umkehrpunkt. Bis hierher musste ich meine Aufmerksamkeit achtsam von Gedanken, Gefühlen und Empfindungen, Bildern und Einschlafträumen lösen, abwenden, um mich der Stille in mir zu nähern. Nun ist es aber auf einmal ganz einfach. Die Stille ist nicht mehr Abwesenheit von etwas. Nein. Sie wird selbst hörbar, spürbar. Eine Ruhe, die völlig entspannt meine Aufmerksamkeit in sich zieht. Sie konzentriert mich in mir, ganz im Hier und Jetzt, ohne dass es dazu einer Anstrengung bedürfte.

„Uns allen nämlich wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser innerstes, von allem, was von außen her hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen und da unter der Form der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen.“ Ungefähr so könnte man den Weg kennzeichnen, auf den ich mich gerade begeben habe. Doch kein spiritueller Lehrer spricht hier, sondern der Philosoph Friedrich Wilhelm Josef Schelling. Freilich ein Philosoph der Romantik, jener europäischen Geistesströmung, die nicht nur wie keine andere das Schöne in Natur und Kunst für sich entdeckt hatte, sondern auch die Spiritualität der alten Mythologien, der Mystik und des Pantheismus zu neuem Leben erweckte. Abgeschlossen, vollendet, ja auch überwunden wird die Romantik allerdings durch die Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels, die, wie schon die ihr vorausgehende Aufklärung, jeder spirituellen Annäherung an das „Ewige“ überaus skeptisch gegenüber steht: „Das Absolute soll nicht begriffen, sondern gefühlt und angeschaut, nicht sein Begriff, sondern sein Gefühl und Anschauung sollen das Wort führen und ausgesprochen werden. Das Schöne, Heilige, Ewige, die Religion und die Liebe sind der Köder, der gefordert wird, um die Lust zum Anbeißen zu erwecken, nicht der Begriff, sondern die Ekstase, nicht die kalt fortschreitende Notwendigkeit der Sache, sondern die gärende Begeisterung soll die Haltung und die fortleitende Ausbreitung des Reichtums der Substanz sein.“ All dem setzt Hegel den einzigen Weg entgegen, der uns seiner Auffassung nach dem Absoluten näher bringen kann: „die Mühe des Begriffs auf sich zu nehmen“ und „die kalt fortschreitende Notwendigkeit der Sache“ verfolgen.

Für Schelling ist Gott, der Weltgeist, das Absolute die totale Indifferenz, die über den Gegensatz von Natur und Geist erhabene absolute Identität, das reine, unterschiedslose Sein. Es entfaltet sich in zwei Reihen, in denen wir diesem Göttlichen begegnen können. In der „realen Reihe“ der Naturerscheinungen entwickelt es sich über Materie, Licht, Elektrizität und Chemismus bis hin zum lebendigen Organismus als der geistigsten Erscheinung der Natur. In der „idealen Reihe“ des Geistigen entwickelt es sich von der Wissenschaft über die Moralität bis zur Kunst und dem Kunstwerk als der natürlichsten Erscheinung des Geistes. Das Absolute west im Sinne der Romantik nicht in einer jenseitigen Welt, sondern in Natur und Geist. Mission des Menschen ist es, dieses Absolute zum Bewusstsein seiner selbst zu bringen: „Das höchste Ziel, sich selbst ganz Objekt zu werden, erreicht die Natur erst durch die höchste und letzte Reflexion, welche nichts anderes als der Mensch, oder, allgemeiner, das ist, was wir Vernunft nennen, durch welche zuerst die Natur vollständig in sich selbst zurückkehrt, und wodurch offenbar wird, dass die Natur ursprünglich identisch ist mit dem, was in uns als Intelligentes und Bewusstes erkannt wird.“ Die Vernunft, die jenes höchste Ziel zu erreichen vermag, ist aber weder jene der Wissenschaft, welche die unendlichen Erscheinungen der Natur niemals restlos durchschauen wird, noch jene der Sittlichkeit, die ihre Ideale in der Geschichte niemals verwirklichen wird, sondern die ästhetische Vernunft, deren Vorbild für Schelling die „bewusstlos-bewusste“ Tätigkeit des Künstlers ist.

Wie sein Jugendfreund Schelling sucht auch Hegel jenes Absolute nicht in einer jenseitigen Wirklichkeit, doch verwirft er Schellings Verständnis des Absoluten als„die Nacht, worin, wie man zu sagen pflegt, alle Kühe schwarz sind“. Aus der absoluten Indifferenz lässt sich der Reichtum der Wirklichkeit seiner Auffassung nach nicht ableiten. Urgrund der Welt kann nur Geist als in sich bestimmtes Subjekt sein. Ein Subjekt ist beispielsweise das, was jeder von uns mit dem Wörtchen „ich“ meint. In ihm vereinigen sich drei verschiedene Bestimmungen: Erstens meinen wir damit etwas, was zumindest von unserer Geburt oder unserer Zeugung bis zu unserem Tode dasselbe ist. Zweitens bezeichnen wir damit aber auch ganz Verschiedenes: Den Säugling, das Kind, den Erwachsenen, den Greis, der wir einmal waren oder sein werden, alle Beziehungen, Handlungen, Gedanken und Gefühle, die uns in diesen Zeiten begleitet haben und begleiten werden. Wir bezeichnen mit diesem Wörtchen also dasselbe Wesen, das dennoch von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag, von Sekunde zu Sekunde ein anderes wird, zu keinem Augenblick unseres Lebens das gleiche bleibt. Mehr noch: Indem wir „ich“ sagen, erkennen wir als dritten Schritt, dass all diese Personen, Gedanken, Handlungen und Gefühle demselben Wesen zukommen. Und so sucht Hegel auch den absoluten Geist in seinem System in Analogie zum menschlichen „Ich“ unter diesen drei Bestimmungen zu verstehen: „Der absolute Geist ist dieses, dass er sei das ewige sich selbst gleiche Wesen, das sich ein anderes wird und dieses als sich selbst erkennt“. In der „Logik“ als dem ersten Teil seines Systems entwickelt er den Geist unter jener ersten Bestimmung des „ewig sich selbst gleichen Wesens“. Es nimmt seinen Ausgangspunkt in jenem reinen Sein, welches für Schelling das Absolute schlechthin ist, von dem Hegel jedoch zeigt, dass es in seiner Bestimmungslosigkeit in der Tat mit dem Nichts identisch ist. Die Logik leitet den Begriff des Absoluten ab und mit ihm auch die Notwendigkeit seiner Verwirklichung in der Natur. Die Naturphilosophie als zweiter Teil des Systems entwickelt jene zweite Bestimmung des Geistes, der „sich ein anderes wird“: In immer anderen Formen und Erscheinungen der Natur verwirklicht sich der absolute Geist, über Mechanik, Physik und Organik bis hin zum Menschen und seinem biologischen und sozialen Gattungszusammenhang. Gott ist kein jenseitiger Weltenschöpfer, sondern er verwandelt sich in die Natur, er wird als die sich zum menschlichen Geist entwickelnde Natur. Hier wiederum setzt die Philosophie des Geistes als letzter und umfangreichster Teil des Hegelschen Systems an, die im Sinne jener dritten Bestimmung in der individuellen Bewusstseinsentwicklung, in der Entwicklung von Recht, Moral und Staat, von Kunst, Religion und Philosophie zu zeigen sucht, wie der Geist die vielen verschiedenen Erscheinungen von Natur und Geschichte „als sich selbst erkennt“. Zentrales Motiv ist dabei die Freiheit. Gottes Freiheit verwirklicht sich, indem er das evolvierende Universum aus sich hervorbringt, sich in die Natur verwandelt. Im Bewusstsein des Menschen von seiner Freiheit und der Verwirklichung dieser Freiheit in der Geschichte wird sich Gott als absolut freies Wesen seiner selbst bewusst. Die verschiedensten Formen von Kunst, Religion oder spiritueller Praxis finden ihren Platz in Hegels Philosophie des Geistes. Doch vermögen sie es „nur“ zu Anschauungen oder Vorstellungen jenes Absoluten zu bringen. Der Philosophie bleibt es vorbehalten, den Begriff des Absoluten zu ergründen.

Seit etwa zwanzig Jahren begleitet mich Hegels Philosophie. Selten war mir die Beschäftigung mit ihr Selbstzweck. Lange Zeit suchte ich mit ihrer Hilfe im Zusammenhang mit naturwissenschaftlicher Forschung und Lehre Phänomene des Lebendigen oder des menschlichen Geistes besser zu verstehen. Zunehmend wurde sie aber auch Wegweiser einer spirituellen Sehnsucht. Als typisches DDR-Kind wurde ich atheistisch erzogen. Als ich mich für Religion zu interessieren begann, konnte ich mit Theologie und Kultus eines jenseitigen Gottes im Rahmen der christlichen Kirchen nie eine wirkliche Beziehung finden. Die einzige Erfüllung, die ich aus heutiger Sicht „spirituell“ nennen würde, wurde mir im intensiven Erleben der Natur zuteil. In ihr wurzelte vielleicht auch mein naturwissenschaftliches Interesse. Die Einsicht, dass die Natur die endliche Verwirklichung des Absoluten sei, in der uns dessen Unendlichkeit immer wieder zu rühren vermag, verdanke ich Hegel. Seine Beschränkung auf „die Mühe des Begriffs“ und „die kalt fortschreitende Notwendigkeit der Sache“ wurde mit zunehmendem Alter aber immer unbefriedigender für mich. Ich wollte jenes Absolute nicht nur in der Natur ahnen, nicht nur in Philosophie und Wissenschaft denken. Ich wollte es (er-)leben. Und bald wurde mir klar, dass ich zu diesem Erleben, wenn überhaupt, dann nur durch eine erübende meditative Praxis gelangen kann. Eine Praxis, für die ich, wie ich bald merkte, nicht besonders „talentiert“ bin. Vor sieben Jahren habe ich damit begonnen. Seit zwei Jahren gelingt es mir, meine Seele soweit zur Ruhe zu bringen, wie ich es einleitend schilderte. Soweit, dass sie sich vielleicht auf das Erleben jenes Absoluten einlassen kann.

Ich genieße dann die Stille in mir, entspanne mich in ihr. Manchmal kommt ein etwas tieferer Atemzug, nach dem selbst dieser letzte Hauch in mir einige Momente zur Ruhe kommt und die Stille meiner Seele sich in der absoluten Ruhe des Körpers zu vervollkommnen scheint, um ganz im Hier und Jetzt zu verweilen. Gelingt mir das, dann vollzieht sich eine weitere Verwandlung. Bis hierher war noch immer ich es, der hier und jetzt die immer vollkommenere Stille um mich herum empfand. Plötzlich beginnt sich dieser Unterschied aufzulösen. Ich vereinige mich mit dem Nichts um mich herum, es durchströmt mich so wie ich mich in es ergieße. Ich spüre plötzlich sehr intensiv meinen Körper, seine Schwere, seine Spannung. Oder besser: ich bin dieser Körper, ich breite mich in ihm aus. Doch dann plötzlich sind die Grenzen meines Körpers verschwunden. Er wird eins, ich werde eins mit jener Stille um mich herum. Es gibt kein „Innen“ und kein „Außen“ mehr. Ich öffne mich in die Unendlichkeit. Das Unendliche öffnet sich für mich. Alle Unterscheidungen verschwinden. Es ist nur noch reines Sein, seiendes Nichts. Es ist alles eins geworden.

Ich denke nicht in diesen Augenblicken. Wenn ich es später tue, dann erinnert mich das, was ich erlebt habe, an Schellings „absolute Identität“ oder „totale Indifferenz“, auf die wir stoßen, wenn wir „uns aus dem Wechsel der Zeit in unser innerstes, von allem, was von außen her hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen“. Die „bewusstlos-bewusste Tätigkeit“ des Meditierens, die Schelling auch oder vor allem dem Künstler zuschreibt, sollte seiner Auffassung nach die umfassendste Vereinigung mit dem Absoluten sein, zu der unser endlicher Geist fähig ist. Noch erstaunlicher finde ich jedoch das, was ich aus Hegels Philosophie kenne und nun unmittelbar erleben darf. Am beeindruckendsten vielleicht seine Dialektik der sinnlichen Gewissheit aus der „Phänomenologie des Geistes“. Was ist es denn, fragt er sich, was uns die Sinne an Gewissheit geben, noch ehe sie von Verstand und verstandesgeleiteter Wahrnehmung durchsetzt sind? Es ist das „Ich“, das im „Hier“ und „Jetzt“ „Dieses“ empfindet. Doch was erfahre ich in all dem, fragt er weiter. Ich erfahre nur dann etwas über das Hier, wenn mein Verstand es mit dem Dort vergleicht. Das Hier allein ist jeder Ort. Ich erfahre nur etwas über das Jetzt, wenn mein Verstand es mit dem davor und danach in Beziehung setzt. Ohne diesen Vergleich ist immer jetzt. Das Diese ist nur etwas im verständigen Vergleich mit Jenem. Ansonsten ist es alles. Ich bin nur jemand Bestimmtes in der Unterscheidung und Beziehung mit dem Anderen. Ansonsten ist jeder ich. Hier ist überall, jetzt ist immer, ich und dieses sind alles. Ja selbst Ich und Dieses und Hier und Jetzt fallen in eine „reine Unmittelbarkeit“ zusammen, in der sie untereinander ununterscheidbar sind. Sie werden zu dem, was Hegel in seiner „Wissenschaft der Logik“ das reine, mit dem Nichts identische Sein kennzeichnet, in dem alle Unterscheidungen verschwunden oder besser noch nicht getroffen sind. Diese Unmittelbarkeit ist es, die sich in der Meditation einstellt, wenn sich die Grenzen zwischen mir und meiner Umgebung auflösen, wenn „Ich“ und „Dieses“ Eins werden, wenn „Hier“ überall und „Jetzt“ immer werden, wenn sich alles in einer unbestimmten Unendlichkeit verliert.

In der Tat sieht Hegel in jenem Zustand die von Schelling gekennzeichnete „absolute Identität“ und „totale Indifferenz“, jene Auffassung des Absoluten, der er spöttisch „die Nacht, in der alle Kühe schwarz sind“ nennt. Ebenso ist diese „bewusst-bewusstlose Tätigkeit“ für Hegel weit entfernt davon, eine umfassende Vereinigung mit dem Absoluten zu sein. Das Verschmelzen mit Allem und Jedem umfasst nur die abstrakteste Seite jenes Absoluten, das Sein oder Nichts eben, das Allem und Jedem zukommt. Der wirkliche Reichtum des absoluten Geistes ist dabei seiner Auffassung nach noch nicht einmal berührt. Jener Reichtum nämlich, den er gewinnt, wenn er sich in der Evolution von Natur und Geschichte „ein Anderes wird und dieses als sich selbst erkennt“. Wahrscheinlich hat Hegel sogar recht, wenn er meint, dass eine Vereinigung mit jener konkreten Seite des sich entwickelnden Absoluten unerreichbar für eine spirituelle Praxis ist. Vielleicht kann mich lediglich ein in der Meditation gewonnenes Bewusstsein in mein alltägliches Leben begleiten, dass ich Teil jenes unendlichen Einen bin, das sich in einer für menschliches Erleben uneinholbar komplexen Evolution zu immer neuen Erscheinungen entfaltet, in mir – zumindest ein Stück weit – zum Bewusstsein seiner selbst kommt und mich in die Verantwortung für jenen Ausschnitt einer unendlichen Realität nimmt. Denn letztendlich geht es nicht primär um meine eigene Entwicklung, sondern um die Entwicklung des Absoluten, in der mein eigenes Schicksal in Hegels Worten „aufgehoben“ ist. Vielleicht. Denn ich bin mir darüber bewusst, dass ich auf diesem Weg einer spirituellen Praxis noch ganz, ganz am Anfang stehe. Wahrscheinlich kann ein solcher Weg noch weiter, noch viel weiter führen.

Während der Meditation ist nichts von all diesen Gedanken präsent in mir. Ich lebe in der reinen Unmittelbarkeit des mit dem Nichts identischen Sein. Noch gelingt es mir nicht sehr lang, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Allmählich entstehen wieder Bilder. Zunächst lösen sie sich schnell wieder auf, doch dann werden sie häufiger, formen sich zu Gedanken. Manchmal verbinden sie mich mit Menschen, die mir sehr wichtig sind. Manchmal bilden, verbildlichen sich Gedanken, die mich in den folgenden Tagen beschäftigen werden. Manchmal gleichen sie aber auch einfach Einschlafträumen. Ich weiß, dass ich mich jetzt sammeln muss. Ich hole mich gewissermaßen in mich zurück. Ich spüre oder besser: rekonstruiere die Umrisse und Formen meines Körpers. Ich fülle sie mit dem, womit ich mich verbunden habe, um es mit in meinen Alltag zu nehmen, um es ausstrahlen, den Menschen in meiner Umgebung schenken zu können. Ich suche aber auch dieses Gespür für die Unendlichkeit des seienden Nichts um mich herum zu bewahren um seine Präsenz immer wieder in den Zwischenräumen meiner Geschäftigkeit spüren zu können. Ich atme bewusst aus und ein. Ich fühle mich erfüllt von jenem Einen, Unendlichen, das ich für Momente spüren durfte. Langsam öffne ich die Augen, schlage dreimal die Klangschale an und verneige mich.