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LAZARUS UND THOMAS

Steiners Interpretation des Johannesevangeliums im Lichte der neueren Forschungen zu den Schriften von Nag Hammadi

von Axel Ziemke

Um zwei Gestalten des Johannesevangeliums soll es hier gehen. Zwei Gestalten, die zu den vielen Besonderheiten zählen, die das Evangelium des Johannes von denen der Synoptiker unterscheiden. Die erste von beiden ist Lazarus. Jesus erfährt von seiner Krankheit und begibt sich auf den Weg zu ihm nach Bethanien. Als er dort anlangt, ist Lazarus schon den vierten Tag tot und bereits begraben. Umgeben von einer Menschenmenge lässt er den Stein vom Grab entfernen und erweckt ihn mit dem Ruf „Lazarus, komm heraus“ von den Toten. Keines der anderen Evangelien berichtet von dieser Begebenheit. Mehr noch. Während den Synoptikern zufolge die Austreibung der Wechsler und Händler aus dem Tempel zum Anlass der Verfolgung Jesu durch die Hohepriester und letztlich für seine Kreuzigung ist, wird es bei Johannes die Auferweckung Lazarus, die ihnen so gefährlich zu sein scheint, dass sie seinen Tod beschließen. Die andere Gestalt, die im Johannesevangelium eine ganz besondere Rolle spielt, ist Thomas. Auch Matthäus nennt ihn als einen der Zwölf, doch kommt er bei den Synoptikern an keiner Stelle zu Wort, während er im Johannesevangelium an zwei Stellen eine absonderliche Rolle spielt und daraufhin zum „ungläubigen Thomas“ gestempelt wird. In der ersten äußert er seine Befürchtungen hinsichtlich eben jener Reise zu Lazarus nach Bethanien. In der zweiten, bekannteren erscheint der Wiederauferstandene zehn Jüngern. Neben Judas ist auch Thomas nicht zugegen. Im Rahmen dieser Erscheinung sendet Jesus die Jünger aus und haucht ihnen die Macht des heiligen Geistes ein. Als die anderen Jünger Thomas von der Erscheinung Jesu berichten, bekundet er mit seinen berühmten Worten seinen „Unglauben“: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben.“ Jesus erscheint eine Woche später auch Thomas – und rügt ihn wegen seines Beharrens auf das Sichtbare: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Als Thomas ihn als seinen Herren und Gott erkennt, fügt er hinzu: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.“

Für Rudolf Steiners Interpretation des Johannesevangeliums hat Lazarus eine herausragende Bedeutung. Er versteht ihn als den ersten christlichen Eingeweihten überhaupt, seine Auferweckung als Initiation. Wie alle in den Evangelien geschilderten Ereignisse sollen wir auch Krankheit, Tod und Auferweckung des Lazarus nicht in einem physischen, sondern in einem geistigen Sinne verstehen. Nachdem er über Jahre Freund und Schüler Jesu gewesen war, ist Lazarus reif für das Mysterium der Initiation, zu dem ein dreitägiger somnambuler Schlaf gehört, in dem der alte Mensch in ihm erstirbt, um die Geburt eines neuen, höheren Menschen möglich zu machen. Der in Jesus Fleisch gewordene Logos lebt nun auch in Lazarus. Auch in ihm hat sich das Göttliche offenbart, das am Anfang gewesen und in Ewigkeit geworden ist: „An Lazarus hat Jesus im Sinne uralter Traditionen das große Wunder der Lebensverwandlung vollbracht. Damit ist das Christentum an die Mysterien angeknüpft. Lazarus war durch den Christus Jesus selbst zu einem Eingeweihten geworden. Er war dadurch fähig geworden, sich in die höheren Welten zu erheben. Er war aber zugleich der erste christliche und von dem Christus Jesus selbst Eingeweihte. Er war durch seine Einweihung fähig geworden, zu erkennen, dass das in ihm lebendig gewordene „Wort“ in dem Christus Jesus Person geworden war, dass also in sinnlicher Persönlichkeitserscheinung in seinem Erwecker dasselbe vor ihm stand, was geistig in ihm offenbar geworden war.“ In seinen Vorträgen zum Johannesevangelium vertieft Steiner diese Interpretation und identifiziert Lazarus sogar mit dem Verfasser dieser Schrift.

Den Zorn der Hohepriester fordert Jesus nach Steiners Interpretation nicht durch den Akt der Initiation des Lazarus selbst heraus, sondern durch die Öffentlichkeit, die er ihm verleiht, den „Mysterienverrat“ an das „umherstehende Volk“, das der Einweihung beiwohnt. Steiner sieht in dieser Öffentlichkeit keineswegs einen unglücklichen „Formfehler“, sondern geradezu das Wesentliche des Christentums: Das, was in den alten Mysterienschulen Geheimlehre weniger war, wird mit dem Christus Jesus Offenbarung für die gesamte Menschheit. Jeder Mensch, der die christliche Offenbarung in sich belebt, kann den neuen Menschen, den Sohn, den „Christus in uns“ in sich gebären. Freilich wird nicht jeder diesen Weg gehen können. Vielen, wenn nicht den meisten bleibt zunächst nur der Glaube, der Glaube, auf den die Thomasgeschichte verweist: „Vorher konnten über das, was mit einem solchen Initiationsvorgang sich vollzog nur die etwas wissen, die da „schauten“, das heißt eingeweiht waren; jetzt aber sollten eine Überzeugung von den Geheimnissen der höheren Welten gewinnen können auch die, welche „glaubten, auch wenn sie nicht schauten“.“ In seinen Vorträgen zum Johannesevangelium geht Steiner allerdings ein ganzes Stück weiter: Explizit interpretiert er Thomas als einen der Jünger, „die etwas weniger begabt waren, die hellseherische Kraft zu entfalten“ und die zweite Erscheinung Jesu als Versuch, „ihm nachzuhelfen, dass er geistsichtig“ werde. Die an Thomas ergehende Aufforderung zu glauben bezieht sich also nach dieser Interpretation nicht mehr auf jene Menschen, denen eine wirkliche Erweckung verwehrt bleiben muss, sondern erwartet von ihnen viel weiter gehend, eine „innere hellsichtige Kraft“ zu entwickeln, die über das äußerliche Sehen hinausgeht.

Heute, über ein Jahrhundert nach Erscheinen von Steiners Schrift „Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums“, vermag die religionsgeschichtliche Forschung einiges beizutragen zu einem umfassenderen historischen Verständnis der von Steiner dargestellten Zusammenhänge. Insbesondere nach der sorgfältigen Aufarbeitung der zwanzig Jahre nach Steiners Tod aufgefundenen Bibliothek altkoptischer Übersetzungen apokrypher frühchristlicher Texte bei Nag Hammadi können wir die Gestalt des Thomas im Johannesevangelium weitaus besser verstehen. Unter den Schriften von Nag Hammadi fand sich unter anderem das „Evangelium nach Thomas“, eine Sammlung von Aussprüchen Jesu, die etwa zur gleichen Zeit wie das Johannesevangelium, also um das Jahr 100 entstanden sein muss. Zwischen beiden Evangelien zeigen sich eindrucksvolle Parallelen, aber auch bemerkenswerte Gegensätze: Während sich bei den Synoptikern nicht ein einziges Attribut Jesu findet, die nicht auch einen König der Juden bezeichnen könnte, erscheint er bei Johannes und Thomas als Mensch gewordener Gott. Für Johannes ist er der Fleisch gewordene Logos, der am Anfang und Ende allen Seins steht, das wahre Licht, das alle Menschen erleuchten soll. Die Kirchenväter werden nicht müde, diese besondere Bedeutung des Johannesevangeliums zu betonen: Irenäus (140-200) meint, dass Matthäus uns Jesus als einen Gott verheißenden König darstellt, Markus als Propheten des Herrn, Lukas als Priester, nur Johannes aber als Gott. Origenes (185-254) hebt ihn von den drei anderen Evangelien ab, indem er betont, dass „keines von ihnen mit gleicher Eindeutigkeit von Jesu Göttlichkeit spricht wie Johannes“. Die Interpretation Jesu im Johannesevangelium wird somit zur Grundlage der gesamten katholischen Christologie, von der aus letztlich auch die drei anderen kanonischen Evangelien interpretiert werden. Und hierfür lohnt es sich auch, die vielen inhaltlichen Abweichungen der letzteren von dem ersteren in Kauf zu nehmen. Johannes sagt also „zwar nicht immer buchstäblich Wahres, aber er sagt immer spirituell Wahres“, so Origenes in auffälliger Parallele zu Steiner.

Auch für Thomas ist Jesus ganz explizit Mensch gewordener Gott: „Ich bin das Licht, das über allem ist. Ich bin das All. Aus mir ist das All hervorgegangen. Spaltet ein Stück Holz – ich bin da. Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.“ Allerdings weichen die beiden Evangelien in einem entscheidenden Akzent voneinander ab: Nach Johannes ist Jesus und nur Jesus der Mensch gewordene Gott. Der einzige Weg des Christen zur Erlösung besteht im Glauben an Jesus Christus: „Ihr seid von unten her, ich bin von oben her. Der von oben her kommt, ist über allen.“ „Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben.“ „Wer mir nicht nachfolgt, wird in Finsternis wandeln.“ „Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.“ Das Thomasevangelium sieht hingegen das göttliche Licht in allen Menschen, zumindest in allen Christen: „Es existiert Licht im Inneren eines jeden Lichtmenschen, und er erleuchtet die ganze Welt. Wenn er nicht leuchtet, ist Finsternis.“ „Wenn sie zu euch sagen: Woher stammt ihr? Dann sagt ihnen: Wir sind aus dem Licht gekommen, dem Ort, wo das Licht entstanden ist.“ Der Weg, dieses innere Licht zu finden, ist für Thomas nicht primär der Glaube, sondern die spirituelle Erkenntnis: „Erkenne, was vor deinem Angesicht ist, und das, was für dich verborgen ist, wird sich dir enthüllen. Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar werden wird.“ „Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkannt werden, und ihr werdet begreifen, dass ihr die Kinder des himmlischen Vaters seid.“ „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er findet, wird er bestürzt sein. Und wenn er bestürzt ist, wird er erstaunt sein. Und er wird König sein über das All.“

Der Vergleich mit Steiners Verständnis des Christentums zeigt also durchaus Erstaunliches: Seine Sicht auf den Christus Jesus im Johannesevangelium bestätigt sich im Evangelium nach Thomas. Die Anknüpfung des Christentums an die Mysterien des Altertums, der christliche Einweihungsweg als Erweckung des göttlichen Logos in potenziell jedem Menschen ist im Thomasevangelium klar und unmissverständlich formuliert. Ja mehr noch: Folgt man nicht Steiners Interpretation des Aufrufes zum Glauben am Ende der Thomasgeschichte, sondern legt das Wort „glauben“ wirklich „auf die Goldwaage“, wozu uns Steiner eigentlich immer wieder auffordert, so scheint der Akzent des Johannesevangeliums seinem Verständnis der mystischen Wurzeln des Christentums geradezu zu widersprechen: Seine Botschaft scheint nicht die Erweckung des neuen Menschen, sondern die Forderung zu sein, nur im Glauben an den einen Christus Jesus das Heil zu suchen. In Kenntnis des Thomasevangeliums lässt sich umgekehrt die Gestalt des Thomas im Johannesevangelium ganz anders interpretieren als dies Steiner in seinen Vorträgen tut: Die Äußerlichkeit des von ihm geforderten Beweises für das Geschehene scheint viel eher eine Karikatur der Sehnsucht nach einer spirituellen Erkenntnis des Göttlichen in dem ihm zugeschriebenen Evangelium zu sein – für die er von dem Jesus des Johannesevangeliums gemaßregelt wird. Elaine Pagels mutmaßt sogar, dass sich der Verfasser des Johannesevangeliums in den Thomasgeschichten explizit gegen die Anhänger des Thomasevangeliums wendet. Noch schwerwiegender als die Maßregelung des „ungläubigen Thomas“ durch den auferstandenen Jesus bei der zweiten Erscheinung ist für sie seine Abwesenheit bei der Aussendung der Jünger und ihre Begabung mit der Kraft des heiligen Geistes während der ersten Erscheinung. Da Thomas bei diesem entscheidenden Ereignis nicht zugegen ist, dürfte er also nach Johannes noch nicht einmal als Apostel gelten. Steiners Interpretation der Auferweckung des Lazarus könnte in einem solchen Verständnis des Johannesevangeliums keineswegs intendiert sein, eben weil sie explizit der Botschaft des Thomasevangeliums entspricht. Zugespitzt formuliert: Lazarus gleicht in Steiners Interpretation einem jener „Thomaschristen“, gegen die sich das Johannesevangelium zu wenden scheint.

Allerdings findet sich eine vergleichbare Begebenheit wie die Erweckung des Lazarus im Thomasevangelium nicht, da es ja lediglich eine Sprüchesammlung Jesu ist. Wohl aber ein Gespräch, das in die Richtung einer Einweihung zu weisen scheint: „Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Vergleicht mich und sagt mir wem ich gleiche.“ Simon Petrus sprach zu ihm: „Du gleichst einem gerechten Boten.“ Matthäus sprach zu ihm „Du gleichst einem besonders klugen Philosophen.“ Thomas sprach zu ihm: „Lehrer, mein Mund vermag es ganz und gar nicht zu ertragen zu sagen, wem du gleichst.“ Jesus sprach: „Ich bin nicht dein Lehrer. Denn du hast getrunken, du hast dich berauscht an der sprudelnden Quelle, die ich ausgemessen habe.“ Und er nahm ihn und er zog sich zurück und er sagte ihm drei Worte. Als Thomas aber zu seinen Gefährten kam, befragten sie ihn: „Was hat dir Jesus gesagt?“ Thomas sprach zu ihnen: „Wenn ich euch eines von den Worten sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine aufheben und auf mich werfen, und Feuer wird aus den Steinen herauskommen und euch verbrennen“.“

Spuren eines auf spiritueller Erkenntnis beruhenden christlichen Einweihungsweges finden sich mittlerweile in beträchtlichem Umfang. Wieder sind es gerade die Schriften von Nag Hammadi, wie das Evangelium der Wahrheit, das Apokryphon des Johannes oder die Apokalypse des Jakobus, in denen sich umfangreiche Darstellungen esoterischen Wissens über die Genesis des Kosmos, die himmlischen Hierarchien und die geistigen Welten finden, und die Andeutungen über Riten und Initiationen zur Erlangung dieses Wissens enthalten. Weitere Quellen sind die Auseinandersetzungen der Kirchenväter mit dieser christlichen Spiritualität, die von der Sorge um die Einheit der Christenheit getragen sind. Sie sprechen von immer neuen christlichen Lehrern, die immer neue, einander oft widersprechende Wahrheiten zu verkünden beanspruchen und ihre Anhängerschaft in immer neuen Kulten, Sakramenten und Riten um sich scharen. Sie legen also Zeugnis ab von einem in weiten Teilen des römischen Reiches verbreiteten Ringen von Christen um eine höhere spirituelle Erkenntnis, um die Erweckung eines neuen Menschen, aber auch von den damit verbundenen Risiken für die am Gebot der Nächstenliebe orientierte christliche Solidargemeinschaft. Insbesondere Irenäus ist es, der dieser Inflation christlicher Lehren eine klare Strategie entgegensetzt: Die Beschränkung des christlichen Schrifttums auf die Texte, die im Wesentlichen noch heute das Neue Testament bilden, die Interpretation dieser Schriften aus der Sicht eines wörtlich verstandenen Johannesevangeliums, die Anerkennung der Taufe als dem entscheidenden christlichen Sakrament und die Fixierung eines überschaubaren Codex christlicher Grundwahrheiten in einem Glaubenbekenntnis. Als das Christentum zur Staatsreligion des römischen Reiches wird, beschränkt sich die Gunst von Kaiser Konstantin auf die sich jenem Anspruch des Irenäus verpflichtet fühlende katholische Kirche und erhebt ihre Theologie im Konzil von Nicäa zum Dogma. Andere christliche Gruppierungen, die damals etwa die Hälfte der Christenheit ausmachen, werden benachteiligt und letztendlich verfolgt, ihre Schriften verboten und vernichtet – wenn sie nicht, wie die Schriften von Nag Hammadi, in einem geeigneten Versteck zwei Jahrtausende überdauern.

Die religionswissenschaftlichen Forschungen zu den Schriften aus Nag Hammadi bestätigen also, und das ist die wohl wesentlichste Feststellung, die Botschaft Steiners, dass das Frühchristentum keineswegs ausschließlich eine Bewegung relativ „schlichter“ wundergläubiger Heilssucher in den bedrückenden sozialen Umständen der Römerherrschaft war, sondern in ihrem Kern aus spirituell nach geistiger Erweckung strebenden Menschen bestand, für die das Christentum eine „mystische Tatsache“ im Anschluss an „die Mysterien des Altertums“ war. Sie stellt aber auch Fragen an Interpretationen Steiners, die durchaus bedeutungsvoll für Kultus und Theologie der Christengemeinschaft sein könnten. Liegt Steiner falsch, wenn er im Johannesevangelium diese mystische Ausprägung des Christentums sucht? Leidet seine Interpretation an der Unkenntnis eines Schrifttums, das erst nach seinem Tode wiederentdeckt wurde? Oder ist die angedeutete Sicht der Erforscher dieses Schrifttums auf das Johannesevangelium das typische Produkt einer uninspirierten „nur historischen“ Betrachtungsweise? Ich vermute die Wahrheit zwischen beiden Extremen: Tatsächlich spricht einiges dafür, dass das Johannesevangelium sich gegen die vielfältigen frühchristlichen Erweckungsbewegungen wendet, indem es den Glauben konsequent über die Erkenntnis stellt und die Ausschließlichkeit der Fleischwerdung des Logos in Jesus Christus betont. Doch zeigt nicht nur Steiners Interpretation, sondern auch schon die von den Kirchenvätern gegenüber den 20 bis 30 Jahre älteren synoptischen Evangelien hervorgehobene tiefe Spiritualität eben dieses Christusverständnisses, dass auch das Johannesevangelium selbst dieser oder einer vergleichbaren Mysterientradition entspringen muss. Das Johannesevangelium hat also ohne Zweifel zurecht seinen Platz in einem erneuerten Christentum – auch wenn die apokryphen Schriften sicher eine tiefere Beachtung verdienen.